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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
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Der Ost- Friede

Vor allem aber litten die Bukarester Verhandlungenunter dem gleichen Fehler, der vor dem Beginn der Verhand-lungen mit Rußland gemacht worden war: es war auchhier versäumt worden, vor dem Eintritt in die Verhand-lungen mit Rumänien eine Einigung mit unseren Verbün-deten herbeizuführen. Die Folge war, daß die BukaresterVerhandlungen auf das schwerste beeinträchtigt wurdendurch die unausgeglichen gebliebenen starken Interessen-konflikte zwischen den Bundesgenossen. Insbesonderedie bulgarisch- türkischen Differenzen spitzten sich in einerfür den Bestand des Bündnisses geradezu gefährlichenWeise zu. Die Lage wurde dadurch verschärft, daß auchhier zwischen unserer politischen Leitung und der OberstenHeeresleitung keine Übereinstimmung bestand; die ObersteHeeresleitung trat für eine sehr weitgehende Unterstützungder türkischen Wünsche auf Herausgabe bulgarischenGebiets gegen Überlassung der Dobrudscha an Bulgarienein, während das Auswärtige Amt der Überzeugung war,daß der von der Obersten Heeresleitung gewünschte Druckauf Bulgarien den Rücktritt des Ministeriums Radoslawowund seine Ersetzung durch ein deutschfeindliches Kabinett,damit die unmittelbare Gefahr eines Ausscheidens Bulgariensaus dem Vierbund zur Folge haben werde. Diese Gefahrwurde dadurch erhöht, daß die Oberste Heeresleitungauch in anderen Punkten die Überlassung der Dobrudschaan Bulgarien an Bedingungen knüpfen wollte, gegen diesich in Bulgarien eine starke Opposition regte. Auf der

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