Der Ost- Friede
der Darstellung der Friedensverhandlungen ausführlichgesprochen.
Rumänien mußte Österreich- Ungarn eine nicht unerheb-liche ,, Grenzregulierung" zugestehen und verlor die ganzeDobrudscha; dafür suchte es Ersatz durch die AngliederungBessarabiens, deren Förderung ihm bei den Friedens-verhandlungen von den Mittelmächten in Aussicht gestelltworden war.
Aber diese Gebietsveränderung trat in den Hintergrundgegenüber dem gewaltigen Ereignis des Auseinander-brechens des in mehrhundertjähriger Politik und Krieg-führung aufgebauten russischen Kolosses. Es ist nichtder Brester Friede, der den russischen Koloẞ zerschlagenhat. Das ursächliche Verhältnis ist umgekehrt: Der BresterFriede ist in seinen die territorialen Fragen behandelndenTeilen erst möglich geworden und in seinem wichtigstenInhalt bestimmt worden durch das Auseinanderfallen desRussenreiches. Und dieser Zerfall hat sich von innenheraus vollzogen als Wirkung der Revolution. Wennirgendein staatliches Gebilde, dann war das Rußland, wiees bis zum März 1917 bestand, ein Gebilde der Autokratieund des Militarismus, deren eiserne Reifen alle die Rand-und Fremdvölker, die den großrussischen Kern umgeben,mit schwerem Druck zusammenhielten. Die Revolution,die das zaristische Selbstherrschertum zertrümmerte unddas unter den deutschen Schlägen zusammenbrechenderussische Heer vollends auflöste, hat die zentrifugalen
320
H