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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
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Der Ost- Friede

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der Reichskanzler von Bethmann Hollweg im Reichstagunter Berufung auf das damals von Herrn Asquith ver-kündigte Prinzip der Nationalitäten die Frage gestellt, obHerr Asquith annehmen könne ,,, Deutschland würdejemals freiwillig die von ihm und seinen Bundesgenossenbefreiten Völker zwischen der Baltischen See und denWolhynischen Sümpfen der Herrschaft des reaktionärenRußland wieder ausliefern, mögen sie nun Polen,Litauer, Balten oder Letten sein". Und am 5. Novemberwar mit der Zweikaiserproklamation über die Errichtungeines selbständigen polnischen Staates ein positiver Ein-griff in die Verhältnisse der westrussischen Randvölkergeschehen. Auf dieser Grundlage konnte später, am25. Januar 1918, Herr von Kühlmann mit einem gewissenRecht von der ,, Zwangsläufigkeit und Bedingtheit" derdeutschen Ostpolitik ,, durch das, was vorher geschaffenund getan worden ist", sprechen. Aber abgesehen vonPolen, hinsichtlich dessen wir durch offizielle Akte unddurch Vereinbarung mit unserem österreichisch- ungarischenBundesgenossen festgelegt waren, hatte die deutsche Politikbis zum Beginn der russischen Revolution sich ihrerBewegungsfreiheit nicht entäußert; das ausschlaggebendeMoment war hier die Auflösung des Russischen Reiches,die uns die schon bisher von der deutschen Politik beabsich-tigte Anteilnahme an der künftigen Gestaltung der Rand-gebiete geradezu als Notwendigkeit auferlegte. Die Frageder Randstaaten war, als wir in die Brester Verhandlungen

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