Die Entscheidung
Ebenso wie die Rede Lloyd Georges vom 5. Januarunterschied sich diese Botschaft Wilsons im Ton vorteil-haft von früheren Kundgebungen. Dem Inhalt nachmußte jedoch das Wilsonsche Programm bei dem da-maligen Stande des Krieges in wichtigen Punkten unan-nehmbar, ja undiskutierbar erscheinen. Deutschland, dasjetzt gerade mit seinem unter gewaltigen Anstrengungenund Opfern zu Boden geworfenen russischen Nachbarnverhandelte, sollte seine Ostmarken, die durch mehr alsein Jahrhundert deutscher Kulturarbeit zur Blüte gebrachtund mit dem Reiche zusammengewachsen waren, an dendurch die deutschen Siege erst wieder möglich gewordenenund durch die Proklamation der beiden verbündetenKaiser erst wieder ins Leben gerufenen polnischen Staatherausgeben? Deutschland, das einen großen Teil vonNordfrankreich besetzt hielt, das jetzt nach dem Ost-frieden ein Heer von nie gesehener Stärke auf dem west-lichen Kriegsschauplatz vereinigte, sollte Elsaẞ- Lothringen,ein Land mit 87% deutschsprechender Bevölkerung, anFrankreich ausliefern? Ein unbesiegtes Deutschland sollteseine Bundesgenossen treulos im Stich lassen, sich mit derZertrümmerung der Türkei und der Einmischung derWestmächte in die inneren Verhältnisse der Donau-monarchie einverstanden erklären? Das alles angesichtsder Tatsache, daß der Grundsatz des Selbstbestimmungs-rechts der Nationalitäten in dem Wilson- Programm ledig-lich zum Nachteil Deutschlands und seiner Verbündeten
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