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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
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Fehlen militärisch- politischer Zusammenarbeit

des Staatssekretärs vom 24. Juni, die den Anlaß zu seinerVerabschiedung gab.

Für Montag, den 24. Juni, war der Etat des Reichs-kanzlers und des Auswärtigen Amtes auf die Tagesordnungdes Reichstags gesetzt worden. In der Woche zuvor hattedie erste Beratung des Friedensvertrags von Bukareststattgefunden; es hatte dabei in den Kreisen der Reichs-tagsabgeordneten einiges Miẞfallen erregt, daß wederGraf Hertling noch Herr von Kühlmann den Vertrag ineiner einleitenden Rede dem Hause präsentiert hatten,daß vielmehr Herr von Kühlmann erst, nachdem die Ver-treter der Parteien gesprochen hatten, einige Ausfüh-rungen machte. Die Parteiführer legten nun dem GrafenHertling nahe, er möchte am 24. Juni bei der Beratungseines Etats Gelegenheit nehmen, über die politische Lage,wie sie durch die östlichen Friedensschlüsse und die militä-rischen Operationen sich gestaltet habe, sich auszusprechen.Der Reichskanzler hatte für seine Person keine Neigung,diesem Wunsche zu entsprechen; als jedoch die Partei-führer auf ihrem Verlangen bestanden, beauftragte er imletzten Augenblick Herrn von Kühlmann, an seiner Stellezu sprechen, und zwar- wie mir damals gesagt wurde-unter Beschränkung auf Tatsächliches und unter Ver-meidung irgendwelcher allgemeiner und programmatischerAusführungen.

Kühlmann gab in seiner sichtlich zum großen Teilimprovisierten Rede zunächst eine kurze Darlegung

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