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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
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Die Lage in Rußland

die Beobachtung der weiteren Entwicklung und dieWahrnehmung der deutschen politischen Interessen, son-dern auch die Sorge für die möglichst rasche Zurück-führung unserer Kriegsgefangenen und Zivilinternierten,für die Sammlung und den Abtransport der ,, Rück-wanderer" aus den zahlreichen deutschen Niederlassungenin Rußland, schließlich die Sorge für die Herstellungguter, für Deutschland wie für Rußland vorteilhafterwirtschaftlicher Beziehungen und die Nutzbarmachungder Warenbestände und Hilfsquellen Rußlands für daswirtschaftlich schwer kämpfende Deutschland.

Die Lage, die Graf Mirbach vorfand, als er Ende April1918 in Moskau eintraf, war äußerst schwierig und verworren.Die Bolschewikiregierung konnte, wie der Ausfall derWahlen zu der Konstituierenden Duma gezeigt hatte, nurauf eine bescheidene Minderheit der russischen Bevölkerung

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auch der großrussischen- als ihre unmittelbare An-hängerschaft zählen. Allerdings leistete ihr auch die Parteider ,, Linken Sozialrevolutionäre" zunächst Gefolgschaft.Aber schon in der Frage: Annahme oder Ablehnungdes Brester Friedens? war es zwischen den beiden verbün-deten Parteien zu Meinungsverschiedenheiten gekommen,die sich in der Folgezeit verschärften.

An Machtmitteln standen der Sowjetregierung zur Ver-fügung vor allem eine Anzahl gut disziplinierter undkampferprobter lettischer Regimenter; die sogenannte,, Rote Garde" war in der Hauptsache noch ein bunt,

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