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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
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Meine Ankunft in Moskau

zur Berichterstattung und zur Ordnung meiner persön-lichen Verhältnisse nach Berlin zurückkommen zu dürfen.

An der Militärgrenze, Bahnhof Orscha, erwartete michein Vertreter des Volkskommissariats für das Auswärtigemit einem Extrazug und einer schwer bewaffneten letti-schen Schutzwache. Die Reise auf russischem Gebiet gingglatt und rasch vonstatten. Wir hätten bequem zwischensieben und acht Uhr abends in Moskau sein können.Etwa hundert Kilometer vor Moskau erhielt jedoch derZugführer die Weisung, der Zug dürfe unter keinen Um-ständen vor zehn Uhr in Moskau einlaufen. Wir fuhrendementsprechend im Schneckentempo. Kurz vor Kunzewo,etwa vierzehn Kilometer vor Moskau, erhielt der ZugHaltesignal. Dr. Riezler erschien an meinem Wagen undforderte mich auf, mit meinem Begleiter, dem der MoskauerVertretung zugeteilten Legationsrat Grafen Bassewitz, denZug zu verlassen. Man wolle es vermeiden, mich imMoskauer Bahnhof aussteigen zu lassen. Auf der Straßeerwartete uns Herr Radek, damals Chef der mitteleuro-päischen Sektion des Volkskommissariats für das Aus-wärtige, mit seinem Auto und brachte uns unbemerktnach der Stadt hinein zu der am Djeneshnij, einer ruhigenSeitenstraße des Arbat, gelegenen Villa Berg, in der unsereVertretung ihren Sitz genommen hatte. Herr Radekerwähnte, es liege zwar nichts Besonderes vor, aber meineAnkunft könne bekannt geworden sein, und Vorsichtkönne nichts schaden.

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