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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
Entstehung
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Erste Unterredung mit Tschitscherin

Mein erster Besuch galt dem Volkskommissar für dasAuswärtige, Herrn Tschitscherin, der sein Quartier imHotel Metropol am Theaterplatz aufgeschlagen hatte.Dem Drängen meiner Berater folgend, besuchte ich ihnunangesagt; auch benutzte ich nicht das Gesandtschafts-auto, sondern ein Dogcart. Nach wenigen Minuten verlordas Pferd ein Eisen. Ich ging mit Dr. Riezler, der michbegleitete, unerkannt und unbeobachtet zu Fuß durchdie gefährliche Stadt, die kaum einen anderen Eindruckmachte als später das revolutionäre Berlin.

Herr Tschitscherin, in seinem Äußeren ein verhärmterund verschüchterter Gelehrter mit schwermütigen, traurigenAugen, sprach mir sofort von seinen Sorgen um Baku,das von den türkischen Truppen unmittelbar bedroht sei,und berief sich auf die Zusagen, die von unserer RegierungHerrn Joffe wegen des Schutzes von Baku gemachtworden seien. Ich bezweifelte auf Grund meiner BerlinerInformationen, daß die Türken einen Schlag gegen Bakubeabsichtigen könnten, und gab die Versicherung, daß diedeutsche Regierung von den mit ihrem Bundesverhältniszur Türkei verträglichen Mitteln Gebrauch machen werde,um die Türken zur Zurückhaltung zu veranlassen. Überdie Zusatzverträge sagte Tschitscherin, daß er noch nichtim Besitz der in Berlin zwischen den beiderseitigen Delega-tionen vereinbarten Redaktion sei; daß nach deren Ein-gang die Verträge von dem Rat der Volkskommissareeiner eingehenden Prüfung unterzogen werden müßten,

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