Schwache Stellung der Bolschewikiherrschaft
den Linken Sozialrevolutionären war nach wie vor unge-klärt. Die Sowjetregierung wagte augenscheinlich nicht,gegen diese Gruppe vorzugehen. In der Verfolgung deran dem Attentat gegen den Grafen Mirbach beteiligtenPersonen dieses Kreises blieb sie trotz meines Drängensuntätig. In Deutschland wurde allerdings aus den Kreisendes Herrn Joffe verbreitet, die Sowjetregierung habe aufVerlangen Deutschlands Kamkow und Frau Spiridonowa,die öffentlich zu dem Attentat aufgefordert hatten, ver-haften und erschießen lassen. Graf Harry Keẞler, der mitHerrn Joffe intime Beziehungen unterhielt, hatte michnoch am Abend vor meiner Abreise in Berlin besucht undmir diese angebliche Tatsache als Beweis des guten Willensder Sowjetregierung vorgeführt. Als aber deutsche Zeitungendiese Nachricht brachten, ließ das Volkskommissariat für dasAuswärtige in der russischen Presse eine Note veröffent-lichen, diese Nachricht sei selbstverständlich erfunden, diedeutschen Zeitungen weigerten sich aber, unter dem Druckder deutschen Zensur, ein Dementi zu bringen. Ich teiltediese Note nach Berlin mit und bat um Aufklärung. DasAuswärtige Amt antwortete, daß keine deutsche Stelle einsolches Dementi verhindert habe. Als ich nun Herrn Radekauf diese merkwürdige Sache stellte, bekannte er sich alsVerfasser der Note; auf eine Verhinderung des Dementisdurch die deutsche Zensur habe er daraus geschlossen,daß auf den nach Berlin gerichteten Auftrag, die Nachrichtvon der Erschießung des Kamkow und der Spiridonowa
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