Schreckensherrschaft der ,, Außerordentlichen Kommission"
,, Außerordentliche Kommission zur Bekämpfung derGegenrevolution", deren Befugnisse über Leib und Lebenunbeschränkt waren, wütete gegen alles, was nicht zurPartei der Bolschewisten und der Linken Sozialrevolu-tionäre gehörte, in einer geradezu entsetzlichen Weise.In der Provinz waren es die lokalen ,, Sowjets", die denTerror ausübten. Die Mitte Juli erfolgte Hinrichtung desZaren durch den Sowjet von Jekaterinburg, die von demZentralexekutivkomitee in Moskau nachträglich gebilligtwurde, war nur ein durch die Person des BetroffenenAufsehen erregender Einzelfall.
Trotzdem, oder vielleicht gerade infolge dieses unerträg-lichen Terrors, machten die gemäßigteren Elemente einenletzten Versuch, sich zusammenzuschließen. Es hattedamals den Anschein, als ob es einer Koalition der bürger-lichen Parteien bei der zweifelhaften Haltung der bolsche-wistischen Kerntruppen, der tiefgehenden Erbitterungder hungernden Arbeiter in den Städten und der von ge-waltsamen Requisitionen bedrohten Bauernschaft gelingenkönnte, die zersprengten Ordnungselemente um sich zusammeln.
Die Sowjetregierung selbst war ernstlich in Sorge. Sietraf in den ersten Augusttagen umfassende Vorkehrungengegen eine gegenrevolutionäre Erhebung. Die oberenStockwerke in den Quartieren um den Kreml, in demLenin und der Rat der Volkskommissare ihren Sitz hatten,wurden größtenteils geräumt und mit Maschinengewehren
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