Die Entscheidung
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sooft ein Anlaß zu einer Besprechung vorlag, statt- wiees der Übung entspricht meinen Besuch zu erwartenoder zu erbitten. Als ich ihm vorstellte, daß mir diesnicht konveniere, entgegnete er: ,, Ich denke, Sie sindgewarnt worden." Die Überreichung meines Beglaubigungs-schreibens an den Vorsitzenden des Vollzugsausschussesder Sowjets, Swerdloff, sollte nach der bei meinem erstenBesuch getroffenen Verabredung im Kreml in Gegenwartder sämtlichen Volksbeauftragten stattfinden. Die Zere-monie wurde schließlich auf Montag, 5. August, ver-schoben; im letzten Augenblick jedoch ließ mich HerrTschitscherin bitten, mich mit der Überreichung nochweiter zu gedulden. Die Sowjetregierung getraue sich nicht,die Verantwortung zu übernehmen, daß ich von meinerWohnung nach dem Kreml führe!
Die Lage fing an, unwürdig und unmöglich zuwerden.
Sie wurde verschärft dadurch, daß die ,, Znamja Borby"ungehindert die Ermordung des Feldmarschalls von Eich-horn in fetten Lettern als eine Großtat der Moskauer.Linken Sozialrevolutionäre feiern konnte. Ich remon-strierte bei Herrn Tschitscherin gegen diesen Zustand aufdas nachdrücklichste. Ich tat dies auf meine eigeneInitiative und Verantwortung; denn von Berlin erhieltich trotz meiner Berichte keinerlei Auftrag, wegen derauf Moskau zurückweisenden Bluttat und ihrer offenenGlorifikation irgendwelche Schritte zu unternehmen. Die
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