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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
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Unsere militärische Lage

werden müsse. Der Kaiser hat damals entschieden: ,, esmüsse auf einen geeigneten Zeitpunkt geachtet werden,wo wir uns mit dem Feinde zu verständigen hätten.( Weißbuch über die Vorgeschichte des Waffenstillstands.)

Ohne Kenntnis von diesen Eröffnungen unserer Heer-führer zu haben, hielt ich mich für verpflichtet, unmittel-bar nach meiner Unterhaltung mit General Ludendorffzum Reichskanzler zu fahren und ihm über diese Unter-haltung zu berichten, mit dem eindringlichen Hinzufügen,daß ich nach meiner Kenntnis der Art Ludendorffs, sichüber solche Dinge zu äußern, den Eindruck gewonnenhabe, daß die militärische Lage außerordentlich ernst sei.Mein Eindruck war, daß Graf Hertling meine Auffassungfür übertrieben hielt.

Die von der Obersten Heeresleitung erwarteten neuenAngriffe setzten am 16. August beiderseits Roye ein. DerFeind vermochte hier in mehrtägigen erbitterten Kämpfenkeine nennenswerten Vorteile zu erzielen.

Den Erfolg, der ihm bei diesem Frontalangriff versagtblieb, erkämpfte er sich jedoch am 20. August in denzwischen der Oise und Aisne und tags darauf in der GegendBapaume- Arras einsetzenden Flügelangriffen. An beidenStellen wurden wir in schweren Kämpfen zurückgedrückt.Der flache Frontbogen Bapaume- Chaulnes- Roye- Noyonkam dadurch in Gefahr. Unsere Heeresleitung entschloẞsich, um dieser Gefahr vorzubeugen, diesen Frontteil zu-rückzunehmen. In den letzten Augusttagen wurden deshalb

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