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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
Entstehung
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Wachsende Unzufriedenheit und Verwirrung der Geister

der großen Siege des Frühjahrs, und es klangen jeder-mann noch die stolzen und zuversichtlichen Worte imOhr, die er bis in die letzte Zeit von unseren Heer-führern gehört hatte. Mit dem plötzlichen und furcht-baren Rückschlage sank die einzige große Autorität inden Staub, auf die das Volk während des ganzen Kriegesein unbeschränktes Vertrauen gesetzt hatte.

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Dazu machte sich jetzt die verheerende Wirkung derFriedenspropaganda geltend, wie sie unter der Führungder Mehrheitsparteien des Reichstags von den Unab-hängigen Sozialdemokraten ganz zu schweigen! seitder Mitte des Jahres 1917 betrieben worden war. Mit allenMitteln war in Volk und Heer der Wahn großgezüchtetworden, wir könnten längst einen ehrenhaften Frieden haben,wenn nicht die übertriebenen Kriegsziele der Alldeutschenund der Militärs, denen der Kaiser sich anschließe und dieReichsleitung sich unterwerfe, hindernd im Wege ständen.Ein Erzberger, dessen Kredit durch den militärischenRückschlag stark gehoben wurde, hatte sich anheischiggemacht, in einer kurzen Unterredung mit Lloyd Georgeden Frieden herbeizuführen. Da mußte es doch wohl ander Untüchtigkeit oder dem bösen Willen der Regieren-den liegen, wenn der Friede trotzdem nicht gekommenwar! Der ganze Groll des leidenden und hungerndenVolkes war von den Einbläsern der öffentlichen Meinung,statt gegen die Unerbittlichkeit unserer Feinde, gegen dieUnersättlichkeit der Annexionisten und Kriegsgewinnler

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