Die Entscheidung
Amte bleiben, bis die mit dieser Verzichtleistung und derEinsetzung der Regentschaft verbundenen Fragen ge-regelt seien; er beabsichtige, dem Regenten die Ernennungdes Abgeordneten Ebert zum Reichskanzler und die Vor-lage eines Gesetzentwurfs wegen der sofortigen Aus-schreibung allgemeiner Wahlen für eine verfassunggebendedeutsche Nationalversammlung vorzuschlagen, der esobliegen würde, die künftige Staatsform des DeutschenReiches endgültig festzustellen. Der Vizekanzler vonPayer, den ich am Nachmittag besuchte, sprach sich mirgegenüber dahin aus, daß eine Änderung der Reichsver-fassung nicht beabsichtigt sei und nur die Ernennung einesRegenten und die Bildung eines neuen Reichskabinettsunter sozialdemokratischer Führung in Frage komme;es sei nur noch die Frage offen, ob in dem neuenKabinett auch die Unabhängigen Sozialdemokraten ver-treten sein würden, die ihren Eintritt von der Bedingungabhängig zu machen schienen, daß die Regierung unterAusschluß aller bürgerlichen Elemente lediglich ausSozialdemokraten zusammengesetzt werden solle.
Inzwischen aber hatte Herr Scheidemann um zwei Uhrnachmittags von der großen Freitreppe des Reichstagsherab die Republik proklamiert. Prinz Max hatte dieWahrnehmung der Geschäfte des Reichskanzlers, ohne dieEinsetzung der am Vormittag von ihm angekündigtenRegentschaft zu betreiben, dem Abgeordneten Ebertübertragen und schickte sich an, Berlin zu verlassen,
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