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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
Entstehung
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Die Aktion Erzbergers

Offenbar, um den Eindruck dieser Feststellungen ab-zuschwächen, hat Herr Erzberger als Reichsfinanzministerund stellvertretender Vorsitzender des Reichsministeriumsin der Sitzung der Nationalversammlung vom 25. Juli1919 den Versuch gemacht, nachzuweisen:

daß eine ernste Friedensmöglichkeit, geschaffen durchein die Vermittlung des Vatikans benutzendes englisches,, Angebot", noch im August und September 1917 an diedeutsche Regierung herangekommen sei,

daß aber dieses englische, angeblich nur an die Wieder-herstellung der territorialen Integrität und der Souveräni-tät Belgiens geknüpfte Friedensangebot von der politischenLeitung des Reichs unter dem Druck der Obersten Heeres-leitung, der Schwerindustrie und der Alldeutschen aus-geschlagen worden sei.

Es handelt sich hier um die oben( S. 171 und 172) be-handelten Vorgänge.

Die inzwischen veröffentlichten Dokumente geben einvollständiges Bild, das sich folgendermaßen darstellt:

Die angebliche englische Friedensaktion steht im eng-sten Zusammenhang mit der vom 1. August 1917 datierten,an alle kriegführenden Mächte gerichteten Friedensnote

* Herr Erzberger hat später bestritten, von einem englischen ,, Friedensangebot" gesprochenzu haben. Nach dem im Reichsanzeiger veröffentlichten ersten Bericht über seine Rede hater ausdrücklich von einem ,, Angebot Englands" gesprochen, dem die französische Regierungsich angeschlossen habe. Im amtlichen stenographischen Bericht, der erst etwa 10 Tagespäter ausgegeben wurde, sind diese Worte allerdings nicht enthalten; wohl aber ist dort aneiner späteren Stelle die Rede von der ,, von England mit Vermittlung des Heiligen Stuhleseingeleiteten Friedensaktion".

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