Erster Teil.
1. Das Objektiv.')
Welches Objektiv ist für die Dokumentenphotographie geeignet?
Diese Frage sei nun zunächst nicht mit einer katalogartigen Auf-zählung bestimmter Objektive beantwortet. Eine entsprechende Aus-wahl soll erst am Schluß getroffen werden. Der Leser soll zuerstdie Grundsätze für dieselbe kennen lernen.
Für den Privatgebrauch muß das Reproduktionsobjekt bei mitt-lerer Blende wenigstens das Format 13 X 18 cm oder 18 X 24, fürBibliotheken und Institute wenigstens 18 X 24, häufig aber 30 X 40und mehr scharf auszeichnen, d. h. Strich und Punkt des Originalsmüssen auf dem Negativ frei von jeder Verzerrung und Unschärfe sein.
Ein Objektiv für Reisezwecke muß jene Lichtstärke besitzen,welche Expositionen von einigen Sekunden erlaubt.
Wenn das Original in Naturgröße wiedergegeben werden soll,muß die Brennweite des Objektivs einem mäßig langen Kameraauszugentsprechen. Die Brennweite darf aber nicht zu kurz sein, damitzwischen Kamera und Original ein solcher Abstand eingehalten werdenkann, der eine gleichmäßige Beleuchtung des Originals gestattet.
Für die Auswahl eines Objektivs sind nun seine optischen Kon-stanten maßgebend. Es sind dies die Brennweite und Oeffnung unddie aus diesen Faktoren sich ergebende Lichtstärke, der Bildwinkelund die Tiefenschärfe. Die Blende als variable Oeffnung schafft hierinverschiedene Beziehungen und verändert die Exposition. Ferner sinddie optischen Sondereigenschaften des Objektivs zu berücksichtigen.Die wichtigsten und in der Hauptsache leicht festgestellten Fehlersind: Die sphärische und chromatische Abweichung, die Distorsion,der Astigmatismus und die Bildfeldwölbung. Ein weiteres Augen-merk ist etwaigen technischen Mängeln zuzuwenden.
*) Optisches Hilfsbuch. Von Dr. H. Harting, Verlag (1. Schmidt. Berlin 1908. Dr. E. Holm, Das Objekt im Dienste der Photographie, Verlag GustavSchmidt. Berlin W. 1906.
Beiheft 44.
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