Seine Wirksamkeit abwechselnd in diesen Ländergcbietcnund in Sachsen umfaßte die Jahre 1528 bis 1512,und war von den nachhaltigstwichtigen Erfolgen. ImJahre 1528 reformirte Bugenhagen in Vraunschweigund Hamburg, 1529 und 1550 in Holstein undSchleswig, wie in Lübeck . Er war bei der zweitenKirchcnvisitation in Sachsen 1555 thätig, hatte auchAntheil gehabt am ersten Entwurf der AugsburgischenKonfession , und half die sächsisch-lutherische Kirche mitmehreren Städten des Reichs vereinigen, die sich vorhermehr dem rcformirten Bekenntniß zugeneigt hatten.
Der Sanftmuth von Bugenhagen's Charakter wares zuzuschreiben, daß ihm so viel unbegrenztes Ver-trauen allseits entgegenkam, daß er nach so vielen Ortenund Ländern hin berufen wurde, den evangelischenGottesdienst einzuführen und einzurichten. Für Bremen ,Hamburg und Lübeck arbeitete Bugenhagen Kirchcn-ordnungcn aus; er öffnete die Klöster und begründeteSchulen, und hatte die Genugthuung, daß ihm ver-gönnt ward, endlich im eigenen Vaterlande, daraus ihnfrüher die pfäffischc Unduldsamkeit vertrieben hatte, von1554 an reformircn zu dürfen. Aus Pommern wurdeer 1557 vorn König Christian III. nach Dänemark be-rufen, wo er den König in Kopenhagen feierlichkrönte und die dänische und norwegische Kirche refor-mirte. Während einer fünfjährigen Anwesenheit imdänischen Reiche arbeitete Bugenhagen Kirchcnordnungcnfür Dänemark, Norwegen und Schleswig-Holstein aus,setzte sieben evangelische Bischöfe ein und mehrere tau-send Prediger; auch wurde er Anlaß, daß auf desKönigs Befehl Luther's deutsche Bibel in die dänischeSprache übersetzt wurde. Durch Vugcnhagen's Antrieberfolgte die Erneuerung der Universität Kopenhagen im Jahre 1559, und um dieselbe um so mehr zu be-festigen, nahm er auf ein halbes Jahr das Rektorat
der erneuten Hochschule an, und las über die theolo-gische Wissenschaft nach den geläuterten Lehrbegriffcnder neuen Kirche.
Erst im Jahre 1512 kehrte Bugenhagen nach erfolg-und segensreichem Wirken nach Wittenberg zurück, wurdeaber bald genug nach Vraunschweig begehrt, um auchdiejenigen Landestheile, welche bisher der dem Luther-thum feindlich gesinnte Herzog Heinrich der jüngere, derGegner der Reformation, regiert hatte und der jetzt indie Gewalt der schmalkaldischen Bundesgenossen gefallenwar, zu reformircn. Am Werke der Bibelübersetzungdurch Luther hatte Bugenhagen manchen wichtigen An-theil und war so erfüllt von der überwältigendengeistigen Macht dieser großen That, daß er in seinemHause alljährlich ein Bibelfest feierte, an dem erGott für den Sieg und Segen dankte, der durchdie Bibelübersetzung für alle Folgezeit errungen war.Er selbst übertrug die Bibel in die niederdeutscheSprache, blieb Luther ein unerschütterlich treuer Freundbis zu dessen von ihm tief und schmerzlich beklagtenTode, hielt auch Luther in Wittenberg eine bewegteLeichenrede. Seine milde Sinnesart zog ihn auf dieSeite Melanchton's bei Gelegenheit der Ausarbeitungdes Leipziger Interim, und es traf ihn, wie jenen,Verkennung der Eiferer, die in keiner Weise in denReligionsstreitigkeitcn nachgeben wollten. Die ihm an-getragene Bischoswürde zu Schleswig, wie die zu Caminlehnte Bugenhagen ab, und endete sein ruhmvoll thä-tiges, gottergebenes Leben an endlicher Entkrästung im75. Jahre seines Alters, wobei Melanchton die Bittezu Gott nicht unterdrücken konnte, daß ihm die Er-reichung so hohen kraftlos hinfälligen Alters nicht be-schieden sein möge. Er hinterließ einen Sohn, der sichals «endemischer Lehrer und später als Geistlicher ehren-vollen Namen verdiente.