durch eifriges Bibelstudium sich in der neugewonnenenUeberzeugung bestärkte, trieb ihn die Sickingen'scheFehde auö seinem sicher» Zufluchtsort; er ging nach demStädtchen Weißenburg zu einem befreundeten Pre-diger, den aber bald sammt seinem Gast der bischöflicheVicar von Speier ob ihrer Neuerungen von bannenjagen ließ. Nun wandte sich Buzcr nach Straßburg ,wo er als Prediger und Lehrer auftrat und, mitwackern Freunden vereinigt, die neue Lehre in einerDruckschrift vertheidigte. So stand Buzer in Straß-burg an der Spitze der Einführung der Reformation,und es ging diese in jener Stadt ohne Kampf undStreit und ohne Zwang von Statten, da sich selbstdas Domkapitel der Neuerung nicht abgeneigt zeigte.Auch hielt Straßburg mit seinen Reformatoren langedie gerechte Mitte zwischen den Meinungsverschiedenheitender sächsischen und schweizerischen Theologen, und Buzcrließ eö sich äußerst angelegen sein, zu vermitteln, zumaler ohnehin von mildem und sanftem Charakter war.Gleichwohl wurde er zuletzt doch in die Streitigkeitenverwickelt und theilte das spätere Loos Melanchthon's,mit dessen Gemüths- und Denkart die seinige überein-stimmte, für redlich gemeinte Versuche zu einigen undzu versöhnen, Vcrkcnnung zu ärnten.
Buzer wohnte den wichtigsten öffentlichen Verhand-lungen der streitenden Religionsparteien im Namen derStraßburgischcn Kirche bei, und hatte sich allmälig denSchweizer » zugeneigt, auf deren Seite er denn auchbeim Religionsgcspräch zu Marburg 1529 stand, wozuohne Zweifel die wenig schonende Heftigkeit Luthcr'sund seiner nächsten Anhänger in der streitigen Haupt-frage über den Leib Christi im Abendmahl ihn hin-gedrängt hatte. Im folgenden Jahre befand er sichauf dem Reichstag zu Augsburg und reiste eigens vonAugsburg nach Coburg , um mit dem auf der altenBeste dort verweilenden Luther persönliche Rücksprachezu nehmen, der ihn auch liebevoll aufnahm und freundlichentließ. Dennoch hatte Buzcr Bedenken, die Augs-bnrgische Konfession so, wie sie abgefaßt war, mit zuunterschreiben; er übergab vielmehr das Bekenntniß dervier Städte (Uonlessio totrapolilmm) Straßburg, Kon-stanz, Memmingen und Minden , das er selbst im Auf-trag der Städte ausgearbeitet hatte und das ebenwieder ein vermittelnder Ausweg sein und die Parteienzur Vereinigung lenken sollte. Im Jahre 1551 refvr-mirtc Buzcr in Gemeinschaft mit seinem Freund Ocko-lampadius in Ulm und im darauf folgenden wirkte erin Schwcinfurt eifrig dahin, daß auch die genanntenvier Städte noch nachträglich die Augsburgische Kon-fession unterschrieben, zumal dieselben bereits dem Schmal-kaldischcn Bunde beigctrcten waren. Dieß und anderesmehr, was Buzcr that, Einigkeit anzubahnen und zubefestigen, hinderte nicht, daß die Wittenberger Partei
ihm dennoch mißtraute, weil er mit ihrer oder viel-mehr mit Luthcr's Auslegung der Bedeutung derWorte: «das ist mein Leib», nicht auf das unbeding-teste nach dem stritten Wortlaut übereinzustimmen ver-mochte. So war Buzcr im Jahre 1556 an der Spitzeeines süddeutschen Prcdiger-Abgeordneten-Vcreins inWittenberg , um nochmals sein mit der evangelischenLehre übereinstimmendes Bekenntniß abzugeben, unddadurch stimmte er wieder einen großen Theil derSchweizer Theologen gegen sich. Dem Religionsgcsprächzu Worms 1510, wie dem Negensburger Reichstagwohnte Buzer ebenfalls bei und wirkte fortwährend,so auch als er vom Kurfürsten von Köln 1511 nachBonn berufen worden war, mit treuem Eifer für dieevangelische Sache, immer aber nicht allen Freundenderselben ganz zu Dank. Mit fester Beharrlichkeit undgroßer Gelehrsamkeit stand Buzer gegen alle Gegnerseinen Mann, mochten sie aus dem feindlichen oderbefreundeten Heerlager gegen ihn auftreten, und be-kämpfte standhaft und unerschütterlich das verderblicheInterim, welches unter andern Städten des Reichs auchStraßburg aufgedrungen wurde. Buzer konnte sichdaher in dieser Stadt nicht halten und fand ein neueslohnendes Ziel für seine reformatorische Thätigkeit ineiner Berufung des Erzbischofs Kramner, des Haupt-beförderers der Reformation in England , wohin er sichmit dem ihm eng befreundeten Faeius 1519 begab.
Buzcr lehrte neben dem Freunde auf der Hochschulezu Cambridge doch leider nicht lange. Von Kämpfenmüde, vielleicht auch vom Klima gedrückt und der un-gewohnten Lebensweise erliegend, ward er durch eineKrankheit, der Faeius zuerst und noch vor ihm erlag,dahingerafft. Die Königin Maria that in ihrem fa-natischen Religionseifer, mit der sie die Bekenner derevangelischen Lehre verfolgte, Buzer's modernden Ge-beinen 1556 die hohe Ehre an, sie ausgraben und zuAsche verbrennen zu lassen. Die Königin Elisabethhingegen ehrte sein Andenken auf das höchste und ver-nichtete das gegen ihn noch nach dem Tode gefällteUrtheil. Buzer verdiente dieß, denn er nahm als Re-formator seine Stelle ganz nahe bei Luther und Me-lanchthon ein, war gelehrt wie diese und treueifrig wiediese. Seine theologischen Schriften und Werke füllenzehn Foliobände.
Buzer hatte sich mit einer Wittwe dreier Männer,von denen zwei berühmt waren, verheirathet, derenerster Mann öl. Ludwig Ccllarius (Keller), der zweiteDr. Wolfgang Capito, der dritte Martin Bueer, beideletztere die Freunde ihres vierten Mannes, dem sie1519 nach Cambridge folgte. Nach ihres viertenMannes Tode kehrte sie in die Heimath zurück, undstarb 1561 zu Basel.