kennen und lieben. Vielleicht daß er auch mit Erasmusschon von Erfurt aus Bekanntschaft anknüpfte, oderes brachten ihn doch seine ersten erscheinenden Schriften:die lateinische Uebersetzung einer Rede des Demosthenesund Bemerkungen über die Tuseulanen Ciccro's, mitDiesem berühmten Gelehrten in Verbindung, der ihn,als Camcrarius ihn 1524 auf einer Reise mit Me-lanchton in Basel besuchte, auf das zuvorkommendsteempfing. Im Jahre vorher muthetc er mit seinemBruder Hicronynius vom Bischof Weigand zu Bam-berg die Lehen über seine Familicngütcr und dasEammermcisteramt.
Der Bauernkrieg brachte der Familie großen Schaden,ihr Schloß zu Aurach wurde zerstört und ausgeraubt,weil Hans Cammcrmeister mit biederer Treue an seinemLehnsherrn hing und nicht mit der Nebellenbande ziehenwollte. In Gesellschaft eines fränkischen Edeln ausdem Geschlechte der Fuchs von Thüngen begab sichCamcrarius in der stürmisch bewegten, den Wissen-schaften feindseligen Zeit nach Preußen und erhielt dann1520 einen Ruf des Nürnberger Rathes, dort in deralten Reichsstadt das neue Gymnasium einrichten zuhelfen und den Unterricht im griechischen zu leiten.
Dort in angemessenem und willkommenem Wirkungs-kreise thätig, war Camcrarius dennoch ein ruhigesLeben nicht beschieden, vielmehr wurde er noch vielfachumher geführt, meist in ehrenvollen Aufträgen unddurch Berufungen dahin und dorthin, wo man seineseinstchtvollen Rathes und seiner Gelehrsamkeit sich be-dienen wollte. So besuchte er als Abgeordneter desNürnberger Rathes zweimal den Reichstag zu Speicr,war als solcher mit auf dem zu Augsburg 1530, undnahm, da er den geliebten Freund Melanchton dortfand, lebendigen Antheil an der Abfassung der Augs-burgischcn Konfession. Von 1555 an lebte Camcrariuseinige Jahre in Tübingen , dahin ihn Herzog Ulrichvon Würtemberg zur Einrichtung der Universität be-rufen hatte, und arbeitete dort seine Elemente der Rhe-
torik aus. In dieser Zeit erfreute ihn Melanchton mitseinem Besuche und er selbst machte 1538 über Nürn-berg eine Reise nach Franken zu seinem Freund, demDompropst Daniel Stibar zu Würzburg , worauf ersich nach noch andern Reisen und Fahrten nach Sachsenbegab, und dort in Folge einer Berufung der HerzogeHeinrich und Moritz zu Sachsen, im Verein mit CasparBörncr, die neue Einrichtung der Universität Leipzig besorgte, an welcher er dann von 1544 an die Stelleeines Rectors und Decans ruhmwürdig bekleidete. Wie-der sah sich Camcrarius nach der Hand zu verschiedenenReisen veranlaßt, erschien auch auf dem Reichstage 1555zu Augsburg als Abgeordneter, wo er Melanchton aber-mals fand und so auch auf den nächstfolgenden Reichstagenzu Nürnberg und Regensburg , wo sein verständiger Bei-rath Melanchton stets hoch willkommen war, der seinganzes Vertrauen ihm schenkte. Camcrarius wurdeMelanchton's Biograph und gab auch dessen Brieseheraus. Ohngcachtct daß ihn die Steinkrankheit indieser Periode seines Lebens- heimsuchte, machte derwanderlustige Gelehrte noch manche Reise, auf der ihnmeist einer oder der andere seiner 5 Söhne begleitenmußte; so wohnte er 1557 auch dem Religionsgesprächin Worms persönlich bei, ging später wieder nachWittenberg und Leipzig, dann abermals nach Franken ,1564 wieder nach Nürnberg und von da nach Leipzig zurück. Camcrarius hatte sich einen so ehrenvollenRuf erworben, daß Kaiser Maximilian ihn 1568 selbstnach Wien berief und ihn unter die Zahl seiner Rätheaufnehmen wollte, was aber anzunehmen Gesund-heitsrücksichten verhinderten. Mit Christoph von Car-lowitz übergab Camcrarius dem Kaiser eine Gedenk-schrift in religiösen Angelegenheiten. In den letztenLebensjahren weilte er noch eine Zeitlang auf seinenfränkischen Gütern, endete aber doch in Leipzig seinthätiges und bedeutendes Leben, mit dem er der Wissen-schaft durch zahlreiche Schriften genützt und sich diedankbare Anerkennung der Nachwelt begründet hatte.