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Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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dessen Bündner, den Papst in seiner Engclsburg undder siegreiche deutsche Kaiser diktirte Europa den Frie-den, und hielt nach erfolgtcr Aussöhnung den glänzend-sten Triumphaufzug und Einzug in Bologna , wo derPapst, der unter prunkendem Thronhimmel dem Kaiserzur Seite ritt, ihn zum römischen Kaiser krönte. Eswar wiederum Carls Geburtstag, der 21. Febr. 1530.Nun erst wandte Carl den kirchlichen Bewegungen inDeutschland , welche zu politischen geworden waren,regeren Antheil zu, nächstdem, daß ein Heer unterErzherzog Ferdinand, dem Sohne Carls, gegen dieneuerwachtc Wuth des Türkensultans Soliman II. glück-haft kämpfte. Der Reichstag zu Augsburg 1530fand statt, die Protestanten übergaben ihr Glaubens-bekenntnis;, Carl mißbilligte es innerlich nicht ganz,war aber zu sehr von spanischen Pfaffen umgeben undumstrickt, um es laut zu billigen, wollte nicht aufsneue mit dem Papst brechen, und blieb ein Gegnerder Reformation.

Eine erfolg- und ruhmreich zu nennende Episodeflocht sich in Carls thatcnreichcs Regentenleben ein:ein Krieg zur See gegen den Beherrscher von Tunis ,Hareddin Barbarossa, der in großartigster Weise See-räuberei betrieb und ein Schrecken der Schiffe war,die für Carl die Straße nach den neu entdeckten undfür ihn eroberten Weltthcilen fuhren, nach Meriko,Peru und Chile. Das deutsche Reichsbanner wehtevon dem Schlosse des Maurenfürsten, welcher verjagtward und der frühere, von ihm verdrängte Herrscherwieder eingesetzt; 20,000 christliche Sklaven sahen ihreKetten sich lösen. Ein zweiter ähnlicher Zug gegen Algier,im Jahre 1511, trug mehr das Gepräge des abenteuer-lichen, und endete unglücklich; ein Sturm zertrümmertenach kaum crfolgter Landung die Flotte und mühevollward der Rest des Heeres nach Europa zurückgeführt.

Endlich nach noch manchen andern Kämpfen, derenMittelpunkt meist Franz I. war, wendete Carl Zornund Macht ernstlich gegen die zum Schutz und Trutzmiteinander verbündeten deutschen Reichsfürstcn, alsderen Häupter Johann Friedrich der Großmüthige, derKurfürst von Sachsen, und Philipp der Großmüthige,Landgraf zu Hessen , fest zusammenstanden. Beide mitihrer Gesammtmacht unterlagen dem Gegner, beide

fielen in kaiserliche Haft, in der sie lange blieben. Abernicht zu bauen ist auf des Kriegsglückes Würfel, undauf der Fortuna gleisendc Kugel. Kurfürst Moritz zuSachsen, des entthronten Johann Friedrich Vetter undNachfolger in der Kurwürde, fiel plötzlich vom Kaiserab, zog gegen ihn, zwang ihn zu eiliger, fast schimpf-licher Flucht, und erzwäng den berühmten Religions-sriedcn zu Augsburg 1555.

Jetzt wurde Carl müde, er verließ Deutschland für immer, übergab dessen Reichskrone seinem BruderFerdinand, die Krone von Spanien und der Nieder-lande seinem Sohne Philipp II . Er selbst wählte dasKloster St. Inst znm Aufenthalt, wo er aber keines-wegs als Mönch lebte, Uhren schnitzelte und beklagte,daß nie zwei ganz übereinstimmend in Gang zu bringenseien, wie man sehr rührend gefabelt hat. Er hieltHof in St. Just, jagte und gab sich in ziemlich maßloserWeise den Tafelfreuden hin, und zwar dem gutessennoch mehr als dem schöntrinken, bis er selbst zur Wür-merspeise ward.

Die Forschung der Neuzeit hat sich wieder mit Vor-liebe den letzten Lebensjahren Carl V. zugewendet, unddie vielfach über des vom Schauplatz seiner Thatenabgetretenen Kaisers Klosterleben verbreiteten Sagenbeseitigt oder berichtigt. Das allbekannte eigene Leichen-begängnis mit dem Umstand, daß der Kaiser sich selbstdabei habe im Sarge herumtragen lassen, ermangeltnoch sehr der gründlich-geschichtlichen Bestätigung. DesKaisers Klosterwohnung war keine Zelte, sondern einPalast; seine Hofdienerschast im Kloster zählte 60 Per-sonen, darunter Arzt, Apotheker und Uhrmacher, letz-terer, ein lombardischer Mechaniker und nicht der Kaiser -selbst, fertigte einen trefflichen astronomischen Chrono-meter, kleine Uhren und Automaten. Die Freuden derTafel, der Jagd und der Musik verschönten das Still-leben des großen Monarchen. Er nahm dauernd An-theil an dem politischen Leben der Außenwelt, empfingGäste, darunter Damen höchsten Ranges, wurde aberim Kloster viel unduldsamer gegen das Lutherthum alser früher gewesen; er begünstigte die Inquisition undwurde fanatisch. Darin fast allein war er Mönchgeworden. Im prachtvollen Pantheon des Escurialruhen seine Gebeine.