knngcn, knetete sie wie einen Teig nnd bildete aus ihrphantastischtollc Figuren, dabei blickt durch alles, wasFischart in seiner seltsamen Schreibweise hervorbrachte,ein umfassendes Wisse», ein Zeugniß ernster und gründ-licher Studien, so daß es ganz unbegreiflich bleibt, wie,während des Mannes Name vielgenannt und vielgelesendurch sein Vaterland drang, von des Mannes Personso außerordentlich wenig zur Kunde seiner Mitwelt ge-langte. Ein Grund davon mag aber wohl darin liegen,daß Fischart's Schreibweise die strengen Gelehrten seinerZeit abstieß, daß letztere ihn als einen widerwärtigenLnstigmachcr und literarischen Eulenspiegel betrachteten,und ihn als Menschen völlig ignorirten. Aber Fischartwar und blieb deßnngeachtct ein lachender Democrit,ein kenntnißrcicher Element Marrot, dem das rülenclollieoro vorum stets vor Augen schwebte. Die Mehr-zahl der ersten Ausgaben der Fischart'schen Werke sindlitcrarische Seltenheiten und stets gesucht. Davon sinddie wichtigsten seine Ncbcrtragung dcS ersten Buchesvon Rabclai's, die Mönche und ihr Leben auf dasschärfste geisclndcr Satyre: Garg antua, mit einem ab-schreckend langen Titel, dessen Beginn ist: AffenteuerlichNaupcngeheuerliche Gcschichtklitterung, Von Thaten undNahten von kurzem langen weilen vollen beschreitenHelden und Herren Grandgnsier Gargantua und Pan-tagruel u. s. w. u. s. w. durch Huldrich Ellopos-Cleronhebräisch gräcisirende Umwandlung des Namens Fisch-hart. Zahlreiche, später zum Theil veränderte Aus-gaben lieferten Zeugniß von dem Beifall, den dieseSchrift sich gewonnen hatte; sie war der erste deutschekomische Roman, possirlich wie Eulenspiegel, undgrottesk wie der spätere «abenteuerliche Simplicissimns».Fischart war nicht eingefallen, Rabelais Gargantua zuübersetzen, er bearbeitete völlig frei, frisch und keck, dasWerk des französischen Dichters. Dabei erwarb er sichdas Verdienst, diesem Werke die ersten Versuche einzu-verleiben, die Form des Hexameters und Pentametersin deutscher Zunge nachzubilden, ein Bestreben, indem?r bald genug Mitstrebcnde fand. Die damaligenDichter reimten noch diese Verssormcn, und letzterenahmen sich gereimt seltsam genug aus. Ein zweitesWerk Fischart's war: «Aller Praetie Großmutter», miteinem wahrhaft fürchterlichen Titel: 1571., eine Art
immerwährender Kalender und auch eine Nachahmungvon Rabelais ?rogno8tioalion osrwius.
«Das Glückhafft Schiff« das die anziehende That-sache jener Reise einer Anzahl Züricher Schützen, dievon Zürich in einem Tage mit einem Topf heißenBreies nach Straßburg schifften, und den Brei nochwarm in jene Stadt zum Festschicßen brachten (es ge-schah dieß am 21. Juni 1576), erzählt, ist voll poe-tischer Schönheit und frei von den Auswüchsen derFischart'schen Dichtart. Weit minder kann dieß denkleinen Poesien: «Flohatz, Weibertratz», ebenfalls Nach-ahmung eines älteren Gedichts in makkaronischen Versen,und dem «Podagrammisch Trostbüchlein» nachgerühmtwerden. Großen Beifall einerseits, wie nicht minderandererseits großen Zorn und Haß erregte der «Bienen-korb des Heyl. Römischen Jmmenschwarms, seiner Hum-melszellcn, Hurnausnöster, Brämcngeschwürm und Wäs-pcngctöß w. durch Jesuwalt Pickhart. Christlingen 1579.wieder kein eigenes Werk, sondern freie Ucbcrtragungeines niederländische» Buches mit ungemein viel Fischart'-schcm Zusatz. In gleichem Sinn und Geist wurde auchI. Calvin's Buch über die Reliquien unter dem Titeldes «Heiligen Brotkorbs» nicht blos übertragen, sondernvon dem Dichter in 8uooum st 8anßuinom seiner ori-ginellen Muse verwandelt. Ein «philosophisch Ehe-zuchtbüchlein», «Papstcontrafeyungen», Ucbcrtragung vonI. Bodin's Schrift «eis Llsgorum Oasmonomaina»,ei» satirischer Bücherkatalog, die « Erklärung der Thier-messe im Straßburgcr Münster», mit großem Holz-schnitt und in Versen, der «barfüßcr Sekt- und Kut-tenstreit«, «Lob des Landlusts», davon nur Vorredeund Anhang Fischart gehört u. s. w., sind lauter lite-rarische Seltenheiten geworden.
Man erblickt sonach in Fischart einen Geist, derweniger selbsterfinderisch thätig war, als er an fremdessich anlehnte, und dann aber selbstwirkcnd aus vorge-fundenen Stoffen neues schuf und, ersteres umbildend,ihm eigenthümliche Gestaltungen gab. So schließt sichmit Fischart die satirische Richtung der spätmittelaltcr-lichcn Zeit ab, bis wieder Nollcnhagen, Moscherosch, und der Dichter des abenteuerlichen Simplicissimns jenein anderer Weise wieder aufnahmen und fortpflegten.