Druckschrift 
Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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zu verlassen. Dazu bot sich im Jahre 1817 eine will-kommene Aussicht, es war anf der ForstaeademieDreißigackcr die Stelle eines Lehrers in verschiedenenZweigen der Naturwisscnschaft zu besetzen, welche derDirector jener Aeademie, I. M. Bcchstein (Lief. 14),Gcrmar mit ehrendem Vertrauen antrug. Letzterer warauch bereit, die Stelle unter den gebotenen Bedingungenanzunehmen, allein im Juli desselben Jahres wurdenihm von Berlin aus erneute Zusicherungen gemachtund zugleich wurde ihm von ebendaher eine Berufungauf die neu zu errichtende Hochschule zu Bonn in Aus-sieht gestellt; er lehnte daher den Ruf nach Dreißig-ackcr dankend ab und führte auch noch als Hauptgrundder Ablehnung die Abneigung seiner Frau an, ihrenGeburtsort Halle zu verlassen. Indeß gab ihm die1819 erfolgte Anstellung Carl von Naumer's als or-dentlicher Professor der Mineralogie volle Ursache zurReue, geblieben zu sein, bis 1822 v. Räumer nachErlangen abging und Gcrmar 1823 dessen Stelle mitder des Dircctors des mineralogischen Museums em-pfing. Rastlos thätig auf dem Gebiete seiner Wissen-schaft, hochgeschätzt als Lehrer derselben, als Gevgnostund Geolog, Mineralog, Paläontolog, aber auch alsEntomolog war es Germar vergönnt, durch eine langeReihe von Jahren ununterbrochen segensreich zu wirken,durch zahlreiche wissenschaftliche Abhandlungen anzuregenund zu fordern und sich die verdienteste allseitige An-erkennung zu erringen. Zeugnisse dieser Anerkennungund gerechten Würdigung waren die Uebertragnug desProrcetorats im Jahre 1834, die Ernennung zumStadtverordneten und für eine Zeit zum Vorstand der-selben. Ebenso war Gcrmar Vorstand der haitischenPfännerschaft, längere Zeit Hauptmann der Schützen-Gesellschaft, Mitglied des Kirchcukollegiums U. L. F.und Bibliothekar der dieser Kirche gehörenden an Selten-heiten reichen Maricn-Bibliothek. Als Prorector weihteGcrmar das neue Ilniversitätsgcbäudc feierlich ein underhielt von der medicinischcn Facultät das Diplom einesDoctors der Medicin. Auch wurde 1844 Germarzum Bcrgrath und bald darauf zum Oberbergrathernannt. In der Natur seiner Stellung und seinesWissensreichthums lag auch die Mitgliedschaft zahlreichergelehrter Gesellschaften und Vereine.

So nach zahlreichen Richtungen hin vielfach be-

schäftigt und unermüdet thätig, auch durch Anlegungreichhaltiger naturwissenschaftlicher Sammlungen undweitverzweigten Briefwechsel vielfach in Anspruch ge-nommen, fand Germar dennoch auch noch Zeit, nacheiner besondern Richtung hin in reichem Maaße zuwirken; dieß war die Maurer ei, die ihn als einesder ehrwürdigsten ihrer Angehörigen mit Recht zu be-trachten hatte. Germar trat schon 1806 als Zöglingder Freiberger Bergaeademie in der dortigen Loge zuden 3 Bergen in den Maurerbund, durcheilte schnelldessen verschiedene Grade, betheiligte sich als Leipziger Student an den maurerischcn Arbeiten der drei dor-tigen Logen und ließ sich im Jahre 1823 in der Logezu den 3 Schwertern in Halle affiliircn. Nach we-nigen Jahren führte er in dieser Lage als Meister vomStuhl den Hammer und blieb mit dieser Stelle durch26 Jahre, bis zu seinem Tode, betraut. Mit hoherpersönlicher Würde, wie mit persönlicher Liebenswür-digkeit begabt, schöner eindringlicher Redcgabe mächtig,und durch sein Gemüth und seine Innerlichkeit berufen,nur segensreich im Bunde zu wirken, machte er sichauch hier einen unvergänglichen Namen. Im Jahre1839 wurde er substituirter delcgirter Ober-Meister inder Hallischen Schottenlogc, deren Oberredncr er schonlänger gewesen. Germaüs Name klang ehrenvoll durchdie ganze deutsche Maurerwelt, von allen Seiten gingenihm Ehrcnmitgliedschaften auswärtiger Logen zu; vielenneuentstandcnen die Weihe zu geben, wurde er berufen,denn er stand wie ein Hoherpriester, erfüllt von derhohen sittlichen Grundlage des Maurerbundes und derreinen Christusreligion, im Leben, und war gleichsam,kundig wie keiner, ein fester, einigender Mittelpunkt.So wußte er noch in trefflicher Rede in einer Festloge,welche die Bauhütte Ernst zum Compas in Gotha 1832 den Maurerbrüdern unter den dort tagendenNaturforschern zu Ehren veranstaltet hatte, das geistigeBündniß zwischen Naturforschung und Maurcrthum inein klares Licht zu stellen, und so wirkte er, der äch-testen Johannisjünger einer, bis an sein Ende that-kraft-, Weisheit- und liebevoll. Germar's 1815 ge-schlossene Ehe war glücklich, doch kinderlos. Im Jahre1853 neigte sich sein Stern, und durch lange Leiden,die er ergeben trug, ging er in seinem 67. Lebensjahrein den ewigen Osten ein.