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Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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Nettclbcck stets auf das aufopferndste unterstützt. Nochführt das Regiment von Gneisenau zum unverlösch-lichen Andenken jener heldenmüthigcn VertheidigungKolbergs seinen Namen.

Die trüben Jahre der Schmach und Erniedrigung,in denen Preußens Waffenruhm verhüllt und seineKraft gebrochen war, wurden mit Plänen und Hoff-nungen auf eine bessere Zeit ausgefüllt, und wie Scharn-horst und andere Edle und Tüchtige im Stillen daranarbeiteten, Großes vorzubereiten, so auch Gneisenau ,bis näher und näher die verhängnißvolle Zeit kam,die zur Entscheidung drängte.

Eine sich nöthig machende diplomatische Sendungnach England wurde 1812 Gneisenau übertragen undvon ihm voll Einsicht und Glück vollbracht. England mehrte den Kricgsbedarf. Preußen schuf seine tüchtige,thatcnbewährtc und ruhmgekrönte Landwehr, und Gnei-senau wurde Generalgouverncur der schlesischen Armee.Scharnhorst's Verwundung in der Schlacht bei Lützen und dessen in Prag erfolgter Tod stellten Gneisenau als Gcneralquartiermeister au die Spitze des schlesischenHeeres, und nun bewährte sich durch mannigfaltigePrüfungen unterm Donner der SchlachtengcwitterGneisenaüs Heldengeist, mit dem er als Chef desGeneralstabes vorleuchtetc; davon zeugten nacheinanderdie Schlachten au der Katzbach, bei Wartenburg undbei Muckern während der großen Völkerschlacht aufLeipzigs Gefilden. Auch auf dem weitern Siegcsgangehinter dem hart verfolgten, doch oft noch sich tapfersetzenden Feind war das Kriegsglück mit GneisenaüsFahnen, und Brünne, Laon und Paris sahen ihn alsSieger einziehen. In Folge seiner Großthaten wurdeGneisenau in den Grafenstand erhoben.

Als der Friede von Paris geschlossen war, suchteGneisenau seine Gesundheit, durch den Besuch von Bä-

dern zu stärken, und ließ sich dann zu friedlicher Thä-tigkeit in Berlin nieder; doch nicht lange blieb demFeldherrn Ruhe vergönnt, denn Napoleon erschien nocheinmal und sein Name schreckte noch einmal die Weltaus ihrem jungen Frieden.

Da trat mit den tapfersten und gefeiertsten Helden-brüdern auch Gneisenau wieder an des Heeres Spitze,kämpfte tvdtesmuthig in den Schlachten von Ligny undWaterloo , mehr als einmal hart bedroht, und verfolgtedann den fliehenden Feind unablässig, bis er zumzweiten male als Sieger durch die Thore der Haupt-stadt Frankreichs ritt und dann am Ministertische denharten Frieden mit diktirte. Auch er begleitete, gleichBlücher, seinen Heldenkönig von Paris aus nach Eng-land , wurde aller Ehren und Auszeichnungen theilhaft,und dann vom Könige zum commandirenden Generalin den Rheinprovinzen ernannt, gleichsam als einWächter neben dem stets unruhigen und immer nochnicht genug gedemüthigtcn Frankreich . Indessen gebotenGesundheitsrücksichten dem Grafen, sein Gcneralat 1816niederzulegen und mehrere böhmische Bäder zu besuchen,worauf er sich auf sein Familiengut Großerdmannsdorfin Schlesien zurückzog und glückliche Jahre einer heiternRuhe verlebte. Im Jahre 1821 wurde Graf Gneisenau zum Gouverneur von Berlin ernannt und 1825 wurdeer Generalfeldmarschall der preußischen Gcsammt-Armee,wie er auch im Staatsrath der auswärtigen und Mi-litairangelegenheiten den Vorsitz erhielt, und rühm- undehrenvoll für Preußens Wohl wirkte. Von einer Reiseauf sein Gut kehrte er nicht wieder nach Berlin zurück;er fand dort im Heimathschoose die irdische glühe. Hochehrte ihn Preußen auch nach seinem Tode, Berlin erfreut sich seines Denkmals, die Geschichte grub seinenNamen mit goldenen Lettern in ihre Annalen.