stuhle der Frau von Grumbach, einer geborenen vonHütten, vermachten Legats unter beschimpfenden Ver-wänden, wie er auch einem Diener Grnmbach's,Christoph Kretzer, der später in markgräfliche Dienstetrat, ebenfalls ein Legat vorenthielt. Das war dieunselige Ursache alles spätern Unheils, welches Grum-bach auf seinem fernern Lebenswege traf. Er tratnaturgemäß aus dem Dienst des Hochstists, und derBischof begann seine Verfolgungen. Diese fingen miteiner Grenzverletzung des Grumbach'schen Gebietes undder Abzwingung einer Summe von zehntausend Gold-gulden an, deren auf Landgraf Philipp von Hessenlautende Verschreibung Bischof Konrad Grumbach ge-schenkt und welches Geld dieser bereits erhoben hatte,der nun Marschall des kriegerischen Markgrafen AlbrechtAleibiadcS wurde. So mehrfach in begründeten Rechtenverletzt und selbst an der Ehre geschädigt, war es einemritterliche» Manne nicht zu verargen, daß er dem neuenBischof auf das heftigste grollte, doch ging er nur denWeg des Rechtes gegen seinen mächtigen Feind. Demkriegerischen Markgrafen Albrecht Alcibiades war derkenntnißreiche und muthvolle Mann als Diener hochwillkommen, und Grumbach begleitete seinen neuen Ge-bieter 15 ä<> zum Ncgensburger Reichstag, wo er denBischof Melchior beim Kaiser verklagte.
Unter dem Markgrafen machte nun Grumbach theilsin den Bewegungen des deutschen Krieges mehrere Zügemit, theils weilte er als Statthalter und Resident aufdem herrlichen Schlosse Plasscnbnrg über Kulmbach ,mächtiger und angesehener als je zuvor. Seine Lehen-güter im Hochstist wollte er auf seinen Sohn Kunzübertragen lassen, aber der Bischof spann auch mitdiesem Hader an, zögerte die Bestätigung hin, erhobneuen Grcnzstrcit und schädigte die Grumbach'schenUnterthanen; dennoch wandte Grumbach nach KräftenUnheil vom Hochstift ab, als sein Herr, der Markgraf,mit Bambcrg, Würzburg und Nürnberg die blutigeFehde begonnen hatte und dem Bischof Melchior lastend-schwere Verträge abnöthigte. Aber der Kaiser an-nullirte auf des Bischofs Betrieb alle Verträge, erklärteAlbrecht für einen Reichsfeind, recassirte dann wiederdie Cassation und nun folgten Wirren auf Wirren, inderen Folge Grumbach mit seinem Gebieter außerLandes zog. Der Bischof aber fiel in das Grum-bach'schc Gebiet ein, erstürmte Grnmbach's Schlösserund vertrieb dessen kranke Frau und seine Tochter,die sich keines Ucberfalis versahen; Rimpar wurde ver-wüstet, Burg-Grumbach mit Feuer angestoßen.
Während Grumbach theils mit, theils ohne seinenHerrn deutsche Fürstenhäuser besuchte, machte er dieBekanntschaft Herzog Johann Friedrich des mittlernzu Sachsen und dieser junge Fürst fand Gefallen andem erfahrenen und klugen Staatsmann, er beehrteihn mit hohem Vertrauen, und Grumbach wurde der
Vermittler der zweiten Heirath des Sachfenherzogs mitPrinzessin Elisabeth von der Pfalz. Während dessenhatte Christoph Kretzer, jetzt markgräslicher Dienstmannund Amtmann auf Schloß Hohenlandsberg, von wilderNachelust ob des vorenthaltenen Legats gespornt, miteiner kleinen Reiterschaar dem Bischof Melchior in seinerResidenz aufgelauert und ihn meuchlings mit einemFaustrohr nebst mehreren Begleitern erschossen, während,wenn überhaupt Grumbach bei dieser That bethciligtwar, was er nie zugestanden hat, der Bischof nur auf-gehoben und weggeführt werden sollte. Aber die ganzeSchwere der Anklage des Bischofmordes fiel auf denallbekannten Feind des Gemordete», Wilhelm vonGrumbach , er sollte und mußte der Anstifter gewesensein. Unermeßliches Unheil entsprang aus dem schänd-lichen Meuchelmord; vergebens betheuerte Grumbachdurch Druckschriften seine Unschuld an demselben, Kretzer,der offen sich als den Mörder genannt, wurde ergriffenund heimlich hingerichtet, damit auf Grumbach die blu-tige That haften bleibe. Grumbach hoffte, Melchior'sNachfolger, Bischof Friedrich von Wirsberg, werde ihnwieder in die ihm abgcdrungcnen Lehcngüter einsetzen,aber ganz vergebens, und so griff Grumbach endlichzur Selbsthülfe, sammelte ein Heer, brach in Würzburg ein und trotzte dem Magistrat und dem DomkapitelVerträge und Kontributionen ab. Die Folge war >—kaiserliche Reichsacht wegen ReichsfriedenSbruch und An-nullirung alles dessen, was Würzburg Grumbach undseinen Genossen, den Rittern von Stein und von Man-delslohe, bei Treuen und Ehren zugesichert hatte.
Die Geächteten fanden Schutz bei dem HerzogJohann Friedrich dem mittlern, dem der Schmerz umdie seinem Vater entrissene Kurwürde im Busen wühlte,und der die Hoffnung hegte, das verlorene wieder zuerlangen. Sympathie im Gefühl gleichen Leides knüpftenihn an Grumbach, und dieser verstand, kühne Hoff-nungen zu erregen und wach zu halten. Da JohannFriedrich Grnmbach's Auslieferung verweigerte, stand-haft verweigerte, so wurde auch über ihn die Reichsachtverhängt, Kurfürst August zu Sachsen mit deren Voll-ziehung beauftragt, das ungeheuer feste Schloß Grim-menstein nebst der Stadt Gotha hartnäckig belagertund endlich, unterstützt durch Verrath und Empörungder Besatzung und Bürgerschaft, gewonnen, Grumbachund seine Genossen, dann der Herzog mit den Seinengefangen genommen. Den Herzog traf das Urtheillebenslänglicher Kerkerhaft, Grumbach wurde auf demMarkt zu Gotha geviertheilt. Das war das Endeeines begabten hochstrebenden Mannes, den die Ge-schichte Jahrhunderte lang vcrurtheilt hat, ohne Rück-sicht darauf, daß seine eigenen mit unumstößlichenDokumenten belegten Schriften darthun, welch großesUnrecht an ihm und gegen ihn verübt wurde.