Druckschrift 
Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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Friedrich von Hagedorn.

Geb. d. 22. April 1708, gest. d. 28. Oct. 1754.

Ein Dichter von großer Fruchtbarkeit, Begabung undLiebenswürdigkeit des Charakters, dem es gelang, sichfast allbeliebt zu machen. Hagedorn entstammte eineralten Adelsfamilie Dänemarks; sein Vater, Hans Statsv. Hagedorn, war königlich dänischer Staats- undKonferenz-Rath und hatte als dänischer Resident fürden niedersächsischen Kreis seinen Wohnort zu Hamburgaufgeschlagen. Dort wurde ihm der Sohn Friedrichgeboren, der eine ausgezeichnete Erziehung empfing unddiese durch seine Fähigkeiten wie durch seinen Fleiß ver-diente. Leider kam der Vater in seinen Vcrmögens-umständen durch allerlei llnglücksfälle zurück und starb,als Friedrich erst Jahre zählte. Die Mutter ließden Sohn nebst besten jüngerem Bruder ChristianLudwig das Gymnasium zu Hamburg besuchen, vonwo aus Friedrich nach Jena ging, um sich dort demNcchtsstudium zu widmen. Im Jahre 1729 hatteHagedorn ausstudirt, ging nach der Heimath zurückund fand bald eine günstige Stellung als Privat-sccretair beim dänischen Gesandten in London, Freiherr»von Söhlcnthal. Er eignete sich mit Leichtigkeit die

Kenntniß des englischen an, wie er auch schon in fran-zösischer und italienischer Sprache selbst kleine Dich-tungen versucht hatte, und hoffte einem Posten inDänemark entgegen, der sich ihm aber nicht aufthat.Aus Geldverlegenheiten, in welche die beschränkte Lageseiner Mutter und die eigene ihn brachte, befreite ihnendlich eine Anstellung in Hamburg, im englischenHause, einer Handelsgesellschaft, die ihre Arbeiter nichtso kärglich lohnte, als manche deutsche Staatsregicrungdie ihrigen.

Hagedorn vcrheirathcte sich und lebte nun, da ihmsein Geschäft gute Muße vergönnte, dem Genuß desLesens, Dichtens und der Freundschaft, durch welcheGenüsse sein Leben im Bunde mit einer zwar nichtschönen, aber seelenguten Frau völlig beglückt wurde.Hagedorn war einer der wenigen glücklichen Dichter,denen die Gabe geworden, glücklich zu sein und andereglücklich zu machen, Heiterkeit und Frohsinn um sich herzu verbreiten, das saucrsehen der geborenen Grämlingenicht zu achten; es war eine hellenisch-anakreontischeNatur, und neben dem, daß er lebenslustig, munter,