vatdoecnt in Leipzig 1704, und seine Erfolge als Schrift--stcller und Lehrer waren so entschieden, daß ihm imJahr 1707 eine außerordentliche und 1803 eine ordent-liche Professur übertragen wurde. In demselben Jahrgründete er durch die Ehe mit Wilhelmine Schwägrichenseine Häuslichkeit, welche dem für das stille Glück einesschönen Familienlebens Empfänglichen volle Befriedi-gung gewährte. Von da an war Hermanns Leben dasanspruchslose, durch keine hervortretenden Ereignisse aus-gezeichnete eines deutsche» Gelehrten; in uuunterbrochnerunv bis inS hohe Greisenalter »»geschwächter Thätig-keit wirkte er als Lehrer und Schriftsteller für seineWissenschaft in einer Weise, die seinen Namen auchüber den Kreis ver Fachgcnossen hinaus populär ge-macht hat, bis ihn am 31. December 1818 ein sanf-ter Tod hiuweguahm.
Hermann ist in Deutschland und im Ausland als einechter Repräsentant der Wissenschaft anerkannt, welche sichmit der Litteratur der Griechen und Römer beschäftigtund die Wiederherstellung und das Verständniß ihrerSchriftwerke sich zum Ziel setzt. Die Sprache war daseigentliche Element seiner geistigen Thätigkeit und seinVerdienst ist es, zuerst, nicht blos im Allgemeinen an-erkannt, sondern im Einzelnen durchgeführt zu haben,daß die Sprache nicht willkührlich ersonnenen Regelnsondern den im Menschengeistc tief begründeten Gesetzendes Denkens folgt, und daß diese ergründen und ihreWirkungen in den einzelnen Erscheinungen der Sprachebegreifen muß, wer die Sprache verstehen will. Nebendiesem Gesetz der logischen Nothwendigkeit, welches inder Sprachbildnng herrscht, erkannte er das gleich be-rechtigte Streben des menschlichen Geistes nach künst-lerischer Gestaltung der Sprache, welche ihren letztenformalen Ausdruck im Rhythmus und Metrum findet.Hermann hat die Grammatik und Metrik der altenSprache rationel begründet, und dadurch weit überdie Grenzen der Philologie hinaus mächtige Impulsefür geistige Forschung und Erkenntniß gegeben. Nichtminder hat er sich als Kritiker, vor allen der griechi-schen Dichter, bewährt. Vornemlich das Studium desPindar, des Aeschylus, Sophokles und Euripides hatdurch ihn eine neue Grundlage, einen frischen Auf-
schwung erhalten; aber es ist kein Theil des großenGebietes der alten Litteratur, auf den er nicht reini-gend und erleuchtend Einfluß geübr hätte. Durch Ge-sundheit und Frische, Ursprünglichkcit und Einfachheitseines Geistes eine den Alten verwandte Natur, durchtreffenden Scharfblick und rasche Combinationsgabe aus-gezeichnet und Lurch ununterbrochene methodische Studienin die Auffassung und Ausdrucksweise des Alterthumseingelebt, vermochte er es, die verborgensten Schwierig-keiten und Verderbnisse der überlieferten Texte aufzu-decken und aus dem Geist des Schriftstellers heraus oftmit einer Kühnheit, die der äußeren Wahrscheinlichkeits-rechnung sich entzieht, aber stets im Sinne des Alterthumsist, dieselben zu heilen. Diese Congcnialität zeigt sichnirgend glänzender als in der Meisterschaft, mit welcherer die alten Sprachen in Wort und Schrift in jederForm nicht als anerlerntc, sondern als in ihm wiederlebendig gewordene handhabte. Die zahlreichen Schrif-ten Hermann's, welche sämmtlich den Charakter seinergenialen Natur fest ausgeprägt zeigen, werden seinenRuhm erhalten. Dennoch überwog seine Wirksamkeitals Lehrer noch die des Schriftstellers. Hermann wareine Persönlichkeit von der größten Bedeutung, ein Mannim vollen Sinne des Worts, einig und fest in sich wieWenige, bei großer Milde und herzlichem Wohlwollenernst und streng, mehr noch gegen sich als gegen an-dere, offen und gerade und von der reinsten Wahr-heitsliebe. So zeigte sich Hermann stets unverändertund die glänzendste Leistung seines Scharfsinns undseiner Gelehrsamkeit erschien zugleich als der Ausdruckseines innersten sittlichen Wesens. Dazu rechne mandie feurige Begeisterung und die hinreißende Beredsam-keit, mit welcher er sprach, und man wird den Ein-druck ermessen, welchen Hermann auf seine Schülermachte, die bei ihm nicht blos lernten, sondern in ih-rem innersten Wesen ergriffen und angeregt wurden.So ist namentlich die griechische Gesellschaft, in welcherer die fähigeren Schüler um sich zu näherem Verkehrversammelte, eine Pflanzschule echter Philologie gewor-den, der angehört zu haben eine Reihe von Männernsich freudig rühmen, auf welche Deutschland stolz ist.