Im Jahre 1700 wurde Herschcl Organist in Bath ,wohin eine bessere Stelle zog und wo er Muse fand,die Bestrebungen zu verfolgen, zu denen die innereBerufung ihn mächtig hindrängte. Herschcl fing jetztan, Gläser und Hohlspiegel zu schleifen und Teleskopezu erbauen, wie sie die Welt noch nicht gesehen. Erbegann mit einem Rcflector von 6 Fuß Länge nachNewton's Vorschrift und endete mit dem Niescntelescop,dessen Länge 40 Fuß maß, und 4000 Pfund schwerwar. Ein eigenes Thurmgcrüst wurde erbaut, dasungeheure Werkzeug zu tragen und zu lenken. Mitdiesen Werkzeugen erschloß sich Herschel den Einblick indie Welt der Planeten, Sonnen und Nebelsterne, undwar so glücklich, am 13. März 178l einen neuenWandelstern zu entdecken, den ersten, seit die alte Zeitihre sieben Planeten durch Jahrtausende behauptet, ausderen Zahl die spätere Forschung Sonne und Mondgestrichen und die Erde in sie eingesetzt hatte. DemKönige Georg III. von England zu Ehren nannteHerschel den neuen Stern Gcvrgsgestirn, die er-freuten und dankbaren Zeitgenossen unter den Stern-kundigen aber nannten ihn zu Ehren des Entdeckers:Herschel. Da aber einmal die Planeten weltgültigemythologische Namen haben, Mars als Sohn des Zeus,Jupiter als Sohn des Saturns gekannt war, so wurdefür den neuen Planeten des letzter» mythischer Vater-name: Uranus — erwählt. Ein Mann, der alles durchsich selbst auf mühsamster Bahn eiserner Studien ge-worden, fand — was zwei Jahrtausende den berühm-testen Astronomen vorenthalten hatten.
Die königliche Societät ertheilte dem großen astro-nomischen Autodidakten ihre goldene Prcismedaille undernannte Herschel zu ihrem Mitglied; der König aberenthob ihn seiner musikalischen Aemter, die neben demOrgelspiel in der Kirche auch noch die Musikmeister-stelle beim Theater und anderes einschlössen, zog Herschelan den Hof und ernannte ihn mit einem Gehalt von1800 Thalern zu seinem Privatastronomen. Späterwiderfuhr ihm die Ehre von der Universität Orfordzum Doctor der Rechte ernannt zu werden. Er selbsthatte ein Landhaus nahe bei Windsor bezogen, dasnun sein Tempel Urania's wurde, dort führte er die
in Bath schon gefaßten Ideen zum Bau von Riesen-telescvpcn aus, durch deren Hülfe sich vor seinem kun-digen Blick die Nebelflecken am Nachthimmel in Einzel-welten auflösten.
Der glückliche Entdecker des Planeten Uranus forschte weiter, er entdeckte nach und nach 6 Uranus-monde, 2 neue des Saturn, berechnete die Zeit desUmschwungs der Saturnringe, beobachtete auf dasgenaueste den Mond, erblickte auf ihm neben den Hun-derten mnthmaßlich erloschener Krater thätige Vulkane,glaubte diese mindestens zu erblicken, bereicherte dieMondkarten außerordentlich, gab über die Sonne, derenund der Firsterne Natur und Bau neue überraschendeAufschlüsse und legte alle seine gemachten Erfahrungenund Schlüsse in gründlichen und gediegenen Abhand-lungen nieder. Ueber die Sonnenathmosphäre, ihreStrahlen, Sonnenflekken und Sonnenfackeln berichtigteund verbesserte Herschcl wesentlich die bisher geherrschthabenden Ansichten durch geistvolle Vermuthungen, diehöher zu achten sind, als bloße Hypothesen uranophi-lischer Phantasieleute. Herschells Teleskope waren un-übertroffen und die besten der Welt, und der großeRiesenrefractor war keineswegs, wie hier und da be-hauptet worden, ein astronomisch-mechanisches Curiosum,sondern bei seiner ungeheuern Größe und Schwereleicht zu lenken und praktisch brauchbar, denn durchdenselben wurden von Herschcl die Uranusmonde entdeckt.
Mit seiner Schwester Caroline lebte Herschel einnur der Wissenschaft geweihtes schönes Stillleben undzeigte stets eine liebenswürdige Persönlichkeit, einencdcln Charakter. Sein Wesen war heiter, offen, munter,bescheiden und voll Theilnahme, und die zahlreichenLobes- und Ruhmesspenden, die ihm zu Theil wurden,machten ihn weder stolz noch eitel. Selbst mit demGuclphcn-Orden schmückte ihn 1817 König Wilhelmund so schloß sich in reiner Harmonie der Akkord seinesDaseins, als die Seele des 89jährigen Greises zu denSternen entschwebte. Auch sein Sohn John FriedrichWilliam wurde einer der bedeutendsten Mathematikerund Astronomen der Gegenwart, und zeigte sich desgroßen Vaters ebenbürtig.