Druckschrift 
Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 
  

und wie bereit sei, alles einzusetzen, und mit Gutund Blut die alte Treue an das angestammte Kaiser-haus zu besiegeln. Diese heimlichen Werbungen bliebennicht ohne Gehör und Erfolg; durch den ErzherzogJohann ging dem Freiherr,: von Hormayr , einem Ein-geborenen des Landes, der Befehl zu, einen Aufstanddes gesummten Tirols gegen den Feind einzuleiten, undheimlich ganz Tirol und Vorarlberg unter die Waffenzu rufen, während der Erzherzog als Oberfeldherr dernach Tirol und Oberitalien bestimmten Armee jedeUnterstützung zusagte. Freiherr von Hormayr , be-stimmt, an der Spitze der Bewegung, der außerordent-lichen Landesbewaffnung und Landesverwaltung zu stehen,entwarf den Plan, und bediente sich Andreas Hofer's zu dessen Ausführung, die einen so glücklichen Erfolghatte, daß binnen 48 Stunden das Land von Fran-zosen gesäubert, und 8000 Feinde vernichtet, entwaffnetoder gefangen waren. Ebenso hob Hofer bei Sterzing das bayrische Bataillon Bärenklau auf. Gleich nachder Befreiung Nordtirols drang Hofer in Südtirol ein,und vertrieb daraus den französischen General Baraguayd'Hilliers. Da wurde Andreas Hofer schnell der be-rühmte Mann des Volkes, der Name des Sandwirthsim Passayr schwebte aus allen Lippen. Bald aberwälzte Frankreich sein Heer gegen die Kaiserstadt, Bayerndas seine inS Tirol, und es entbrannten die wüthendstenKämpfe. Wien wurde übergeben, Tirol wurde be-hauptet, und abermals befreit. Hofer konnte an derSpitze seiner Paffeyrer Scharfschützen siegreichen Einzugin Jnnspruck halte». Freiherr von Hormayr stelltenun Hofer an die Spitze der gesummten StreitmachtTirols, welche 5000 Mann zählte, Klagenfurt solltegenommen werden, das neunte Armeekorps Zuzug undHülfe leisten, und damit die Befreiung ganz Jnner-östcrreichö mit einem Schlage bewirkt werden. Alleinder Plan scheiterte, zum Theil mit vereitelt durch denWaffenstillstand von Znaim (12. Juli 1809), undmit Schmerz sahen die treuen Tiroler sich mitten aufihrer Siegesbahn gehemmt, und durch den Stillstandder Waffen sich die Hände gebunden. Das Heer zer-streute sich, und sein heldenherzigcr Führer mußte sich,vor Verrath nicht sicher, in einer einsamen Hütte desGebirges verborgen halten; doch blieb er sorgsam undwach und wartete seiner Zeit. Jetzt rückte das fran-zösische Heer gegen Tirol; leider mit vielen Truppenverbündeter deutscher Staaten, und Plötzlich stand Hoferwieder selbständig an der Spitze seiner Landsleute,

führte sie mit Unerschrockenheit gegen den an Zahl weitüberlegenen Feind, und gewann nach zwei heißen Schlacht-tagen (15. und 14. August) abermals den Sieg, warfdie Feinde, zog abermals, von: Volke umzingelt, alsSieger in Jnnspruck ein. Unter dem angenommenenTitel eines Oberkommandanten von Tirol nahm Hoferjetzt seinen Wohnsitz in der kaiserlichen Burg, und übteeine Art Regentschaft aus. Die bürgerliche, wie diemilitärische Verwaltung leitete er jetzt ausschließlich undallein; er stellte an und setzte ab, saß zu Gericht undentschied Processe, ja er ging noch einen Schritt weiter,er übte ein ausschließliches Vorrecht der höchsten Ge-walt aus, er ließ Landesmünzen Prägen, nicht mit demkaiserlichen Doppelaar, sondern mit dem einköpfigenAdler Tirols, um die Krone des Adlers einen Lorbeer-kranz Gulden, Zwanziger, Zehner, Fünfer in Silber,Kreuzer und halbe Kreuzer in Kupfer. Es war einkurzer Traum von Glück, Größe und Macht, obschonHofer's redlicher Sinn sich der letzteren nie überhob.Der Wiener Friedensschluß vom 14. Oktober zerstörtealle Hoffnungen und alles Glück Tirols, auch Hofer'sStern erblich. Noch einmal zum Aufstand gereizt, undzwar jetzt zum unrechtmäßigen, gegen den Willen seinesHerrn und Kaisers, sammelte Hofer sich neue Truppenin, Oberinnthal und im Vintschgau, um sie gegen dieFranzosen zu führen, die das Land zu besetzen kamenund diesesmal siegte er nicht wieder. Ein geächteterFlüchtling mußte er sich in die Klüfte eisbedcckter Alpenbergen, und keine Macht vermochte ihn zu beschützen.Der schändlichste Verrath beschlich ihn, der 20. Januar1810 gab ihn in die Hände seiner Feinde, und mitFrau und Sohn und Töchtern, mit seinen, Adjutantenund Schreiber wurde er über Meran und Botzen nachMantua geschleppt, nachdem in Botzen , wo er mehrereTage in Haft gehalten wurde, die Seinen freigegebenworden waren. Am 10. Februar wurde Hofer zumTode verurthcilt, am 20. desselben Monats wurde dasUrtheil vollstreckt. Er wurde erschossen und sein Ver-mögen eingezogen. Später wurde die Familie des Hin-gerichteten Patrioten entschädigt, wenn Geld und Rangeine Entschädigung heißen kann für einen gemordetentreuen Gatten und Vater. Die Wittwe behielt ihrHaus am Paffeyrer Sand, später wurde Hofer's Ge-burtshaus in ein Hospital für 16 alte Tiroler ver-wandelt, die Kinder des Mannes, der einst vogelfreigewesen, dursten sich fortan Hofer, Edle von Passeyrnennen, und es ward reichlich gesorgt für ihre Zukunft.