der Dichter dem Willen seines Vaters, wenn er nichtgeistlich werden wolle, mindestens eine Wissenschaftgründlich zu stndiren, und ging nach Pavia , wo er sichder Rcchtsknnde, obschon ohne alle Steigung, befleißigte.'Aber in Pavia erging es ihm doppelt übel, die Fran-zosen nahmen ihn gefangen, die Schweizer beraubten ihn;kaum das nackte Leben rettend, flüchtete er nach Bo-logna, durchzog weiter Italien , schrieb seinen «gutenMann» und dichtete beißende Epigramme auf denElcrus, wozu ihm ein abermaliger Aufenthalt in NomStoff in Fülle bot Nom machte auf ihn durch dieSitteuverderbniß, die er aus der leidigsten Selbst-erfahrung kennen gelernt hatte, denselben Eindruck, denes auf Luther gemacht, und er verließ es gern, zumalder gegen ihn entflammte Haß der Mönche ihn dazudrängte. Jetzt ging Hütten einer schöneren Zeit in derHeimath entgegen. Er durfte 1514 seine kleinerenGedichte nnd Epigramme zusammendrucken lassen undsie dem Kaiser zueignen. Eitelwolf von Stein, dertreue Verwandte, verschaffte ihm Aufnahme amMainzer Hose und Hütten sang das Lob Deutsch-lands bcgcistrnngsvoll, wie nie vor ihm ein andererDichter. Der Bund der Humanisten weihte Hüttenfür den klassischen Geist des Alterthums — da riß ihnaus gchofften Zukunfthimmeln eine böse That wiederin leidenschaftliche Kämpfe. Herzog Ulrich vonWürtemberg ermordete mit eigener Hand seinen Amt-mann Hans von Hütten, Ulrich von Huttcn's Bluts-verwandten, in Folge eines unseligen Doppelverhält-uiffes beider Männer zu ihren gegenseitigen Frauen.Hütten, fest von seines Vetters Unschuld überzeugt,schleuderte gegen den Herzog furchtbare Schriften undsuchte das ganze Reich anfznlärmen. Die Schriftenhätten der Beredsamkeit des Demosthenes und demklassischen Latein Cicero's Ehre gemacht, sie stellten denfreisinnigen Kämpfer für das Recht gegenüber dertvrannischen Willkür, in welchem Lichte des HerzogsThat dargestellt wurde, hoch in den Augen der deut-schen Nation, aber außerdem frommten sie ihm nicht;zudem starb auch sein treuer Verwandter E. von Stein,und Hütten begab sich abermals nach Italien , das ihmverhaßte Rcchtöstndium noch einmal aufzunehmen. EinJahr lang trug er das Joch dieses unlieben Studiums;151 <» war er gegangen, 1517 war er wieder inDeutschland , fand gastliches 'Asyl bei dem gelehrtenPeutinger in Augsburg , wurde aus dessen Anlaß vomKaiser Marimilian l. selbst zum Ritter geschlagen, nndPeutinger's herrliche Tochter mußte ihn mit dem Dichter-
lorbeer krönen. Das war der höchste Gipfel vonHntten's Erdcnglück. Peutinger wollte ihm sogar dieTochter vermählen, aber Hütten durfte die liebe Handnicht annehmen — das war der glühendste Dorn desSchmerzes, den er je empfand. Von Augsburg begabsich Hütten endlich wieder in die Heimath, auf seineGüter, und richtete auf Burg Stecklenberg eineDruckerei ein, aus der nun seine Schriften in die Weltflogen. Dem Papst widmete er eine Schrift voll geistigerKraft über Konstantins erdichtete Schenkung, welcheersterer sehr übel aufnahm; um so mehr gefiel sieLuther und dessen befreundeter Genossenschaft. ImJahre 1518 trat Hütten ganz in die Dienste des Erz-bischofs Albrecht von Mainz, munterte Deutschlands Fürsten in einer eigenen kraftvollen Rede zum Zugegegen die Türken auf, schrieb sein satprischcs Gespräch«über das Hofleben», nahm Theil an den nicht mindersatprischen «Briefen der Dunkelmänner», und anderes,und trat als Kriegsmann in das Heer des schwäbischenBundes gegen den ihm verhaßten Herzog Ulrich vonWürtemberg; aber die Göttin des Krieges versagte ihmdie Lorbeerkränzc, mit denen die Mnsen um so reich-licher sein Haupt schmückten. Die auf diesem Zuge mitFranz von Sickingcn geschlossene Freundschaft war fürHütten der beste Gewinn desselben. Nach Mainz und späterauf seine Burg zurückgekehrt, schrieb Hütten seine kühne«Römische Trias«, gab noch andere Werke heraus undfuhr fort, gegen den Papst und das Papstthum zuschreiben, was des Papstes Rache und Verfolgung her-ausforderte, und endlich des Ritters Entfernung vomMainzer Hofe bewirkte. Hütten ging zu Sickingcu aufdessen feste Ebernburg , schrieb herrliche Briefe, ermähntedie deutsche Nation zur Aufrechthaltung ihrer Freiheit,schrieb zu Gunsten Luthcr's, war unermüdlich thätigin der großen Angelegenheit der 'Reformation, einerihrer tapfersten und geistig hochstehendsten Vorkämpfermit dem Schwerte ves Wissens und der Ueberzeu-gung, — aber Sickingen verwickelte sich in seine un-selige Fehde, als deren Opfer er siel, und die Ebern -bürg konnte Hütten nicht mehr schützen. Er entwich,durchirrte das Elsaß und die Schweiz , machte noch anErasmus von Rotterdam eine tiefschmerzliche Erfahrungverrathener Freundschaft, nnd fand endlich, todmüdegehetzt von seinem Schicksal, auf der kleinen InselUfnau im Züricher See Asyl und — Grab. KeinDeutscher siebt und betritt dieß Eiland ohne Ernst undWehmuth.