huldigte einer unbeschränkten Freiheit, die im äußerenerscheinen des Fesselzwanges der Btode spottete, und inder schriftstellerischen Darstellung jede Formschranke über-sprang oder zerbrach. Die Armuth nöthigte JeanPaul , Hofmeisterstellen anzunehmen, um seine dürftigeMutter zu unterstützen, und durch den milden Kinder-geist, zu dem sein Herz sich neigte, wandte sich seinDichtcrgenius höheren und edleren Regionen, als dieder Satyre sind, zu. Es entstanden Schriften, welchedie Lescwelt mit Entzücket: aufnahm, wenn auch nurein kleiner Theil derselben sie verstand; des DichtersLage besserte sich, und er konnte wieder nach Hof über-siedeln. Dort schrieb er nun im vollen Dränge einesbefreiten Geistes, beseelt wie beseligt von dem Strahledes göttlichen Urlichts, das in ihm stammte, seinen«HespcruS», «Omintus Firlein», «die biographischenBelustigungen unter der Hirnschale einer Riesin», die«Blumen:, Frucht-und Dornenstücke» und die «Jubel-feier«, welche alle von 1795 bis 1797 erschienen, undvon der größten Fruchtbarkeit wie von der Unerschöpf-lichkcit der Gedankenfülle ihres Urhebers zeugten, freilichoft auch excentrisch sprudelnd und vielen unbegreiflicherschienen. Als des Dichters alte Mutter 1797 ge-storben war, reiste Jean Paul zu Glenn nach Halber-stadt, der ihn innig liebte, und dann nach Leipzig , woer des Umgangs mit den geistreichen Prinzessinnen vonSachsen-Hildburghausen gewürdigt ward, deren Vater,der Herzog, ihm einige Jahre später den Legations-rathtitel verlieh. Das «Campancrthal», dessen Dichtungin diese Zeit fällt, erhöhte nur den bereits gewonnenenRuhm und der Dichter erlebte eine glückliche Zeit inden edelsten Kreisen zu Weimar, Leipzig und Berlin ,deren Blüthengipfel die Verheirathung mit KarolineMaier bildete. Allein gewisse Hoffnungen auf Berlin gingen doch nicht in Erfüllung, und die höfische SphäreWeimars, in der sich die dortigen Geistesgrößen 'be-wegten, konnte, wie licht sie erschien, den schier allzu-genialen Dichter nicht lange fesseln. Er wandte sich
nach Meiningen , dessen Herzog, Georg, ein edelfrei-gesinnter Fürst, ihn hochschätzte, und wo er sich imUmgang mit dem Vice-Präsidenten w. Heim, demGeologen, wie mit dem Negicrungsrath Freiherr» vonDonop, dem Archäologen, innig befreundete. In Mei-ningen schenkte seine Karoline dem glücklichen Vater daserste Kind. Hier war es auch, wo Jean Paul denDichter Ernst Wagner liebend zu sich emporhob. Schonim folgenden Jahre nahm Jean Paul, der in Weimar und Meiningen am «Titan» fortgcarbcitet hatte, dieEinladung des Herzogs zu Sachsen Coburg in dessenResidenz an, doch weilte er auch dort nicht lange,sondern wählte, zumal ihm der Fürst Primas, Carlvon Dalberg, eine Pension von 1000 Gulden rhein.ausgesetzt hatte, deren Auszahlung nach Dalberg's Ab-dankung der edle König Maximilian Joseph I. vonBaiern übernahm, seine alte ihm liebe Heimath, undin dieser Baircuth zum Wohnort, von wo aus ernoch mit manchen goldenen Früchten seiner Muse: wiedie «Flcgeljahre», «Dr. KatzcnbcrgeUs Badereise«, «derKomet», «Levana», «Vorschule der Aesthetik» undanderen, die Lcsewclt beschenkte, und bis zu seinemTode sich in der Gunst des gebildeteren und denkenderenTheils derselben behauptete. Er erlebte noch das Glückeine Gesammtausgabe seiner Schriften in 60 Bändenanzuordnen und zu ergänzen, erlebte aber auch dasharte Loos, staarlcidend zu werden, und kurz vor seinemEnde gänzlich zu erblinden. Viel wurde von JeanPaul geschrieben, nicht viel weniger über ihn; Lobund Tadel in überreichlicher Fülle. Jean Paul warein Dichtergeist, der nicht nach der Elle der Alltags-kritik gemessen werden konnte und kann. Ueber Lobund Tadel erhaben ging er ein in das Reich der Un-sterblichen. Die Poesie weihte ihn mit ihrem flam-mendsten Kusse; hohe Vaterlandsliebe glühte in ihmund ein überschwänglicher Reichthum tiefen Gemüthes,das im strafen liebt, im zürnen mild ist und durchThränen lächelt. So war und so bleibt er ewig unser.