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Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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auch als dramatischer Dichter sein Bi'ihncnwirkeu zuerhöhen. Er wählte den Kreis des bürgerlichen Lebensseiner Zeit; dieß ist bei jedem Urtheil über Jffland'sFamiliengcmäldc nie aus dem Auge zu lassen. SelbstSchiller versuchte sich in seinem «Kabale und Liebe » aufdiesem Gebiete. Kuustreisen bildeten Jffland eben sosehr weiter aus, wie sie seinen Ruhm vermehrten, baldklang sein Name als der des größten deutschen Schau-spielers neben Schröder, dem er sich auch befreundete,durch Deutschland. Er vcrheirathcte sich in Mannheim und bilvete dort einen angesehenen Kreis, machte einHaus und sah nicht ohne Wehmuth theils durch eineSpannung mit der Bühncn-Jntendanz, theils durch diekriegerischen Unruhen sich veranlaßt, das geliebte schöneMannheim , wo er den Hasen seines Glücks gefunden,zu verlassen. Er nahm den 1796 von Berlin auS anihn ergehenden Ruf zum Direktor des königlichenNationalthcaters an. Zwar ließ ihn anfangs dienüchterne und frostige Berliner Kritik die gewohnteWärme der rheinischen Stadt schmerzlich vermissen, in-dessen lernte er bald einsehen, daß von jeder Kritik,sofern sie nur eine verständige, wenn auch keine wohl-wollende ist, zu lernen sei; aber freilich war Jfflandin sich fertig, war kein werdender mehr.

Jffland's Leistungen als darstellender Künstler er-reichten vielleicht nicht jene Eckhof's, ihre Sphäre warbeschränkter, er konnte, auch körperlich nicht ganz beson-ders bevorzugt, nicht in jeder Rolle glänzen, zeichnetesich aber in hochkomischcn, in bürgerlichcrnsten wie ingutmüthigpolternden, auch in intriguanten 'Rollen aus.

Seine gediegene Sprache, die zu höchster Ausbil-dung gehobene Deelamation, eine unübertreffliche Cha-rakterauffassung und Darstellung mit den Mittelnplastischer Mimik ließen ihn stets bewundert erscheinen.Don seinen zahlreichen Stücken, die sich bisweilen zusehr in rhetorischer Breite ergehen, giebt und sieht manimmer noch gern «die Jäger», in denen die Rolle desOberförsters die seine war, «den Spieler», Scenen aus denHagestolzen, u. a. Seine ländlich idyllischen Stücke, zu denendie Jäger und die Hagestolzen gehören, behaupten denVorrang vor denen, deren Inhalt in Städten spielt.Das Lied aus den letztern: «Was frag' ich viel nach Geldund Gut» ist allverbreitetes Volkslied geworden.

Als Direktor war Jffland thätig und tüchtig wiewenige, umsichtig und treu, seine Haltnng war vor-nehm mit sittlichem Ernst gepaart. Die Comödian-terie durfte nicht an ihn herantreten. Im Jahr 1811ernannte ihn der König zum General-Direktor allerköniglichen Schauspiele, gewiß ein Zeichen des höchstenund des verdientesten Vertrauens. Mit Freude mun-terte Jffland würdige Talente aus und versagte derecht künstlerischen Begabung nie seine Anerkennung.Jffland war es, der Müllner anregte, «die Schuld» zuschreiben, und als in diesem Trauerspiel die KünstlerinBethmann-Unzelmann die Elvire zum erstenmale gespielthatte, schrieb ihr Jffland: «Worte sagen es nicht, wasich für Ihr Talent, Ihre Lieblichkeit und Hoheit fühle.Gott erhalte Sie. Amen! Jffland.»

Diese Worte schrieb Jffland am 14. Febr . 1814am 22. Sept. desselben Jahres schied er aus dem Leben,nach fruchtlosem Gebrauch der schlesischen Bäder. Esist laut ausgesprochen worden, daß mit ihm eine derglänzendsten und ehrenvollsten Perioden des BerlinerTheaters zu Ende ging. Sein Wirken fiel aber auchin eine Zeit, die dem Bühnenleben hochgünstig war.Jffland's Verdienst war es, mit Hülse der genanntenBethmann-Unzelmann und Flecks eine Schauspieler-Schule zu begründen und zu leiten, welche Deutschland bedeutende Künstler heranzog und ausbildete; durch ihnkamen die dramatischen Dichtungen Lessing's, Gocthe'sund Schiller's aus die Bühnen Berlins . Dankbarwirkte für ein Denkmal Jffland's Frau Bethmann-Unzelmann beim König und bei auswärtigen Bühnen,aber schon ein Jahr nach seinem Tode folgte auch siedem großen Meister nach. Durch Cabinetsordre vom15. October 1814 bewilligte König Friedrich Wil-helm III., daß sie sich zum Behuf der Denkmal-Errich-tung für Jfsiand an alle deutschen Bühnen-Directionenwenden dürfe und verfügte, daß die reine Einnahmeeiner am 19. April (Jffland's Geburtstag) 1815 aufdem königlichen Hoftheater zu Berlin zu gebenden Vor-stellung jenem Denkmal gewidmet werden solle. IhrAufruf an die Bühnen geschah unterm 4. Nov. 1814.Der Erfolg dieser ehrenhaften Bemühung ist nicht inweiten Kreisen bekannt geworden.