Druckschrift 
Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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Mark Brandenburg und Kurfürst. Letzteren hattebereits Landgraf Philipp von Hessen in seinem Bei-leidsschrciben ernstlich zum Festhalten an der gewon-nenen Ueberzeugung ermähnt, und auf Leute hinge-deutet, namentlich auf einen, den der Kurfürst wohlwissen werde, «die alles versuchen würden, ihn von derevangelischen Wahrheit abzuwenden». Er solle sichnicht zu einer leeren Schelle machen lassen. Dieß thatdenn nun anch der junge Kurfürst in Wahrheit nicht,sondern er bot Herz und Hand der Sache, die er füreine gute und heilsame erkannte; er suchte im Jahre1558 durch Verwendung an den Kurfürsten zu Sachsenden Neichsfrieden zu vermitteln, um mit vereinter MachtDeutschland gegen die stets in feindlich drohender Stel-lung beharrenden Türken kräftig schützen zu können,allein nur mit großen Schwierigkeiten wurde hierin einleidiger Vergleich zu Stande gebracht. Mittlerweilehatte bereits der Bruder des Kurfürsten, Johann,Markgraf zu Küstrin , in den seiner Regierung unter-stellten Landcstheilen, bestehend aus der neuen Mark,dem schlesischen Hcrzogthume Crossen , einem Theil derLausitz und mehreren Herrschaften, mit Glück und mitBeseitigung einzelner Widerstände die Reformation ein-geführt, und so trat nun auch Joachim II. am 1. Nov.des Jahres 1559 der evangelischen Lehre öffentlich bei,und empfing in zahlreicher Versammlung seiner Edlenin der Collegiatkirchc zu Köln an der Spree aus derHand des Bischofs zn Brandenburg, Matthias vonJagou, das heilige Abendmahl in beiderlei Gestalt.Dieses hohe fürstliche Beispiel fand im ganzen LandeBeifall, denn das Volk hatte es lebhaft ersehnt, undfolgte ihm auf das freudigste nach. Eine Kirchenord-nung wurde nun für das Kurfürstenthum entworfen,welcher zum Theil die des Markgrafen Georg desFrommen von Brandenburg-Ansbach zum Grunde ge-legt ward. Anfangs war der Kurfürst für die Bei-behaltung der meisten katholischen Ceremonien, Lutheraber belehrte ihn in dieser Hinsicht eines bessern. DieBisthümer wurden eingezogen und die Klöster in Stadt-schulen verwandelt. Während Kurfürst Joachim II. dasWohl seines Landes in aller Weise zu fördern suchte,entbrannte der schmalkaldische Krieg, an welchem derKurfürst, wie sehr er auch mit dem Kurfürsten zuSachsen und mit dem Landgrafen zu Hessen befreundetwar, nnd wie treu er es mit der Sache der Refor-mation meinte, keinen Theil nahm, weil er noch an eineVersöhnung der streitenden Religionspartcien glaubte,

ja auf eine solche hoffte, welche freilich ein blutigerReligionskrieg weder anbahnen, noch vermitteln konnte.Nach dem unglücklichen Ausgang des Krieges verwen-dete sich Joachim II. mit aller Frcundestreue für diegefangenen Fürsten, insonderheit für den Landgrafen,zu wiederholten malen, schickte deshalb theils allein,theils in Gemeinschaft mit Kurfürst Moritz zu Sachsen Gesandte an den Kaiser, und sah es mit Freuden,daß Moritz für die Sache der bedrängten evangelischenKirche endlich in die Schrauben trat nnd sein nichtwürdiges Bündniß mit dem Kaiser brach. Das In-terim hatte Kurfürst Joachim II. angenommen, weil erhoffte, es werde durch dasselbe der beabsichtigte Reli-givnsfriede erzielt werden; da dieß nicht der Fall war,so hörte es auf, im Lande des Kurfürsten eine Be-deutung zu Haben, denn die evangelische Lehre wardnun in demselben nicht nach dem Interim, sondern nachLuther's Wort fest begründet.

Weniger Ruhm, als durch die Einführung der Re-formation in seinen Landen, ärntete Kurfürst Joachim II. in dem 1512 auf das Geheiß des Kaisers gegen dieTürken unternommenen Felvzug, an deni mehreredeutsche NeichSfürsten in Person Theil nahmen, auchzum Theil durch große Tapferkeit sich auszeichneten;aber durch die Niederlage vor Pesth wurde das Kriegs-herr zum Rückzug genöthigt, und trug von diesem Feld-zug keine Lorbeeren davon. In der Regierung seinesLandes, das durch die Mitbelchnung über das Herzog-thum Preußen welche der Kurfürst durch seinenSchwager Sigismund August, König von Polen, er-langte die Anwartschaft auf nicht unbedeutende Ver-größerung erhielt, führte der Kurfürst manche Ver-besserung ein. Er ließ durch den Kanzler Distelmcyerdas Kammergericht neu organifiren, durch den italie-nischen Baumeister Giromela die wichtige Festung Span-dau erbauen und suchte auch das Finanzwesen zu heben,obschon sein glänzender Hofhält sich nicht mit den Spar-systemen der Finanzkunst vertragen wollte, und nochdazu ein jüdischer Spekulant das Vertrauen seinesGebieters in ähnlicher Weise täuschte, wie Ephraim inSachsen, Süß in Würtcmberg und andere anderswo.

Joachim II. erzeugte 10 Kinder; sein sparsamer undfriedfertiger ältester Sohn und Nachfolger KurfürstJohann Georg I. , der die Finanzmänner unter seinesVaters Dienern hart ansah, brachte den etwas zerrüt-teten Hof- und Staatshaushalt wieder in Ordnung.