Druckschrift 
Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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Johann Friedrich , Rurkurst u. Herzog zu Sachsen.

Kcb. d. M. Juni IM. gcst. d. 5. März lüöä.

Wie dieser Fürst Erbe des Väterruhmes war, sowurde er Schöpfer des eigenen; er war mäßig imGlück, groß im Unglück; ein treuer Kämpfer der Re-formation und ein Märtyrer für ste; er förderte ihrAufblühen, sah ihre Bedrängniß und blieb in jederLebenslage ihr begeistert und beharrlich zugethan.

Johann Friedrich , ältester Sohn Kurfürst Johanndes Beständigen, wurde zu Torgau geboren, genoßals Kurprinz der Leitung und Erziehung des gelehrtenSpalatin gemeinschaftlich mit seinem Bruder JohannErnst, und lernte an des eigenen Vaters, wie an andererbedeutender Männer edlem Beispiel den Werth desgeläuterten Evangeliums kennen und schätzen. Mitdem weisen Oheim zog er 1521 gen Worms zumReichstag, mit dem treuen Vater auf die Rcichs-versammlungen zu Speier und Augsburg. So stander mitten in der politisch kirchlichen Bewegung, gewannlebendige Theilnahme für die protestantische Sache undweihte sich derselben mit ganzer Seele.

Als Johann Friedrichs Vater 1552 unvermuthetin Schweiniz mit Tode abging, waren die Söhne fern

von seinem Sterbebette; Johann Friedrich weilte inSchweinfurt, wo Einigungsverhandlungen zwischen denkatholischen und protestantischen Reichsständen versuchtwurden. Kaiser Carl V. hatte sich bereits persönlichunhold gegen den Erben des Sachscnthroncs und derKur gezeigt, zum Danke, daß des jungen Herzogsgroßer Ohm ihm, dem Kaiser, zu dessen höchsterWürde, zur Oberherrschaft des deutschen Reiches ver-helfen hatte. Carl V. nahm dem Herzog seine eigene,letzterem bereits verlobte Schwester Katharina wieder,und Johann Friedrich vermählte sich dann mit Prin-zessin Sibylle von Eleve, einer vortrefflichen Fürstin.

Nach dem Ableben des Vaters verbesserte JohannFriedrich die Gehalte der Lehrer an der Wittenberger Hochschule, nahm die Huldigung seines Landes an,berief 1555 einen Landtag nach Jena und ordnete einegroße Kirchenvisttation an. In demselben Jahre be-kämpfte Luther in starken Schriften den Vetter des neuenKurfürsten, Herzog Georg zu Sachsen, was zu einem star-ken Schriftenwcchsel zwischen beiden Höfen führte, dochlegte der Kurfürst den unangenehmen Hader gütlich bei.