Druckschrift 
Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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in unsterblichen Bildern dem geißelnden Humor mitVorliebe zur Stütze diente, (Holzschnitte zu ErasmusLob der Narrhcit und viele Blätter des Todtcntanzes)nutzte Geiler die vorwaltende Richtung der Zeit, undverschmähte es nicht, über ein Buch Sebastian Brant's ,das durch und durch bitter zürnende Satyrc war, dasberühmte Narren schiff, eine lange Reihe scholastischauslegender, erbaulicher und würzevollcr Predigten zuhalten, welche von den Zeitgenossen mit freudiger Theil-nahme begrüßt wurden, denn man druckte dieselben nichtnur, man illustrirtc ste auch mit denselben Holzschnitten,welche den Text des Narrenschiffcs schmückten, übersetztesie und gab sie wiederholt heraus. Außerdem verfaßteGeiler noch gar manche Schriften neben dem Narren-spicgel, so einSchiff des Heils, der Neue und derPönitenz", Predigten über die Evangelien, Redenan den Klerus u. a. Vieles von ihm erschien ver-einzelt als Flugschrift. Von diesen Flugschriften isteine der anziehendsten auch in Gcilcr'sGranatapfel"enthalten: Die geistlich spinnen» § nach dem Exempelder hailigen wiilib j Elisabeth, die sg an einer gunckcs §flachs nnd woff gc 1 spunncn hat Gepredigt durch denwirdigen Doclor Iohannem j Geiler von Vaiscrsberg in,welche Hans Bnrgkmeier mit einem ganz vortrefflichenHolzschnitt schmückte. Selbst diese Flugschrift wurde nach-gedruckt und der Holzschnitt frei nachgebildet.

Die Zeitgenossen ertheilten Geiler das Lob frommenEifers, lebendigen Beispiels, musterhaften Wandels, tren

seiner Lehre. Er strafte gleich heftig die Ueppigkeit, wieden Geiz des Klerus, unbekümmert darum, daß erdessen Haß und Neid und Schmähung auf sich zog.In einer Predigt, welche Geiler bei der Einführungdes Bischof Wilhelm Grafen von Honstein, über diePflichten des bischöflichen Amtes hielt, gab er folgendeLehren:Ein Bischof soll fromm sein, sein Amt selbstverwalten, die Kirche nie versäumen, mit politischenDingen sich nicht abgeben, keine Buhlerinnen halten,die Pracht nicht lieben, sondern klug und gelehrt, desalten wie des neuen Testamentes ein gründlicher Ken-ner sein."

Geileres Andenken zu ehren, und ein sichtbaresZeichen des Dankes für sein anerkanntes amtlichesWirken zu gründen, wurde im Jahr 1486 die Kan-zel, auf welcher Geiler im Straßbnrger Münster pre-digte, eigens mit ganz besonderer Pracht und künst-lerischer Zier neu errichtet nnd hergestellt, die noch bisauf den heutigen Tag bewundert wird. Als Geilerendlich seines Tagewerkes schon müde war, prophezeiteihm eine zu Augsburg wohnende jungfräuliche Seherinbrieflich sein nahes Ende; darüber freute er sich undsah mit gottgetrostem Gemüthe der Erfüllung seinerHoffnung entgegen, bei Christo zu sein.

Geiler's rühmendes Epitaphium hob seine Bered-samkeit über die des Periklcs, seine Standhaftigkcibüber die des Sokrates, seine religiöse Frömmigkeitüber die des Numa Pompilius .