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Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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borg auf der Insel Hveen bei Kopenhagen gemacht, undnoch seinem Weggang aus Dänemark sich als SchützlingKaiser Nudolph's nach Prag gewandt hatte, wo eineneue Burg Uranichs sich erheben sollte. Durch ihn ver-anlaßt zog Keppler 1600 nach Prag und befreundetesich innig mit Tycho de Brahe , ward von diesem demKaiser vorgestellt und warm empfohlen, sodaß er, da deBrahe schon im folgenden Jahre starb, zum kaiserlichenMathcmatikus erhoben wurde. Keppler ward Tycho deBrahe's geistiger Erbe; viele von dessen Emdeckungenwaren Bereicherungen der Astronomie, nur nicht seinWeltsystem, das noch in jenem uralten des Ptolomäuswurzelte. Den ihm vom Kaiser Nudolph ausgesetztenGehalt empfing Keppler unter demselben ebenso unregel-mäßig, als unter dessen Nachfolger Matthias, welcherKeppler 1611 am Gymnasium zu Linz anstellte. Dortschufen ihm Verschiedenheiten im religiösen BekenntnißVerdruß und Kummer; in der Theologie sah Kepplernicht minder klar, wie in der Astronomie, wenn nichtallzu klar und dies hatte zur Folge, daß er durchdie Geistlichkeit von der protestantischen Kirchengemcin-schaft ausgeschlossen wurde. Im Jahre 1613 mußteKeppler dem Reichstage zu Negensburg beiwohnen,hauptsächlich wegen dcö daselbst zu berathenden neuenKalenders nach Gregorianischem Styl, dessen Einfüh-rung schon im Jahre 1582 durch eine päpstliche Bullegeboten war, in Deutschland aber aus confcssionellenBedcnklichkeiten weil die Protestanten gar nichtsvom römischen Papst annehmen wollten nur lang-sam Eingang fand. Fast hundert Jahre später erstfand der verbesserte, und namentlich durch Keppler undauf den Grund von dessen rudvlphinischcn Tafeln ver-besserte Kalender, im evangelischen Deutschland , inDänemark , den Niederlanden und der evangelischen >

Schweiz Eingang. Leider litt der bedeutende Mann,wie so mancher in anderer Weise ihm ebenbürtige,häufig Mangel, und mußte zu einem Gewerbe greisen,das »ach seinem eigenem Bekenntnißetwas wenigerehrlich war, als betteln" - er mußte Kalender mitProphezeiungen anfertigen, nach alter Art, und dieseverkaufen. Dennoch schlug er einen Ruf als Professornach Bologna im Jahr 1617 aus, um als Deut-scher in deutscher Freiheit und Sitte zu leben undzu sterben. Während Keppler so eine Reihe von Jah-ren in Dürftigkeit zubrachte, schrieb er zahlreiche ma-thematische Werke und seinekll^siou ooolestis". Dievon ihm gefundenen und nach ihm benannten dreiGesetze sind es, aus welche die gesammte neuereAstronomie sich begründet, auf deren drittem namentlichNewton das System vom Mechanismus des Welt-gebäudes aufbaute. Auch sprach er die hohen Ahnun-gen aus, daß die Weltkörper eigenthümlich beseelt seien,daß der Erdball athme, ü. a. Als Optiker und Diop-triker leistete Keppler ebenfalls mehr als alle seineVorgänger.

BiF zum Ende blieb Keppler's Leben ein bewegtes;von Linz zog er 1626 nach Regensburg , 1627 vonda nach Ulm, von Ulm nach Prag . Dort sollte erin die Dienste Waklenstcin's treten, Hosastronom undAstrolog des gestirngläubigcn Herzogs von Friedlandwerden, aber dieser sollte 12000 Gulden, die der KaiserKeppler schuldig geblieben war, auszahlen, und darüberzerschlug sich die Anstellung. Noch einmal ging Kepplernach Regensburg znm Reichstag, sein Geld einzufor-dern dort erkrankte und starb er. In den Anla-gen der Stadt ließ Dalbcrg 1817 dem unsterblichenAstronomen ein Denkmal errichten.