Druckschrift 
Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

könne, lernte der Dichter in -Hamburg Meta (Marga-retha) Wollcr kennen, ein Mädchen voll Geist undFeuer, an welches er empfohlen war; sie-wurde derAngelstcrn seines Lebens, zu ihr zog es ihn aus Däne-mark zurück, mit ihr strebte er die Vereinigung an,und 1754 gelang es ihm, sie als seine Gattin in dieneue Heimat einzuführen.

Lange und langsam arbeitete Klopstock an seinemMessias; er schuf ihn als ein durchdachtes, durchfeiltesKunstwerk; dasselbe war erst zur Halste vollendet, alsder Tod ihm 1758 seinen Lebenscngel von der Seiteriß. Gewaltig war Klopstock's Schmerz, und rührendströmte er seine Klage in Gedichten auö, selbst in demMessias. Cramer und Gleim blieben seine treuenFreunde, und 1702 kehrte er wieder nach Deutschland zurück, wohnte bald in Quedlinburg, bald in Halber-stadt oder in Blankenburg , wo eine neue Liebe seinemGeist neuen Aufschwung gab, ohne zu einer engernVerbindung zu führen, und ging dann wieder nachDänemark , dessen König ihm den Titel eines Legations-rathes verlieh. Klopstock's Herz aber schlug nur fürDeutschland , und zwar mit aller Glut und Wärmeeines wahren Patrioten, und er verherrlichte Deutsch-lands Ruhm und Größe wie kein anderer Dichter vorund »ach ihm; er strebte, den deutschen Geist zum Be-wußtsein der Nation zu führen, aber nicht zum trivia-

len politischer Marktschreierei, sondern zum idealen sitt-licher Größe und geistiger Hoheit. Darin war undblieb Klopstock unerreichbar, und seine Verdienste umdie Ausbildung der deutschen Sprache, die er, hierinein zweiter Luther, aufs neue kräftig, frei und vollWohllaut schuf, die er läuterte, die trcuvaterländischeGesinnung, die er offenbarte, und in die Herzen strömte,lassen ihn noch größer und herrlicher erscheinen, als seingefeiertes mehr als gelesenes Welt-Epos ihn erscheinenläßt. Daß er in seinen Dichtungen fast unbedingt denReim verwarf und verschmähte, sich vorzugsweise nurin klassischen Metren gefiel, war eine allzugroße Hul-digung für die Classieität, und darin allein war Klop-stock undeutsch. Im Jahr 1770 kehrte er abermalsnach Deutschland zurück, reiste, nahm wechselnd Wohn-sitze in Hamburg und Karlsruhe , wurde zum badischcnHofrath ernannt, vcrhcirathete sich zum zweitenmale,erlebte das so vielen Dichtern versagte Glück, eine ge-diegene Gesammtausgabc seiner zahlreichen Werke er-scheinen zu sehen, und starb im Glänze voller Ver-ehrung und unsterblichen Nachruhms im Alter von79 Jahren.

Zu Ottensee bei Hamburg , wo seine Meta ruhte,ward er eingesenkt, dort ist sein vielbesuchtes Grab,mit einem Denkstein geschmückt, den seine zweite Gat-tin ihm weihte.