Gottfried Wilhelm von Leibnitz.
Geb. d. 3. Juli, nach Andern d. 21. oder d. 24. Jan. 1646 . gest. d. 14. Nov. 1716.
Als Philosoph, als Rechtsgelehrter und Staatsmann,ja als Polyhistor und Kosmopolit einer der hervor-ragendsten Geister im Kreise vaterländischer Berühmt-heiten. Sein Vater, Friedrich Leibnitz, zu Altenbergin Meißen geboren, harte in Leipzig studirt und sichdort als Nechtsgelehrter und Professor niedergelassen,so wurde Leipzig die Ehre, Geburtsort und Vaterstadtdes großen Mannes zu werden.
Als Knabe erhielt Leibnitz eine dem Stande deshochgebildeten Aclternpaares angemessene Erziehung,ward Schüler der Nieolaischulc und des berühmtenThomasius. Ein treffliches Gedächtniß für das aus-wendiglernen klassischer Poesien und eigne dichterischeBegabung zeigten bald des Knaben geistige Richtung,und ungleich früher als andere reiste er höheren Stu-dien entgegen. Mit dem fünfzehnten Jahre schon wurdeLeibnitz «endemischer Bürger, legte den Grund zu ei-nem nicht oberflächlichen, sondern gediegenen Vielwissenalter und neuer Wissenschaften, und ging später ausein Jahr eigens nach Jena, um bei Erhardt WeigelMathematik zu hören, worauf er daS zu den sieben
i Wundern von Jena gezählte Weigel'sche Haus verließund sich nach Leipzig zurück begab, die philosophischeDoctorwürdc im 18. Jahre erwarb und seine schrift-stellerische Laufbahn gleichzeitig begann. Da es ihmmißlang, die Würde eines Doetor juris ebenfalls inLeipzig zu erlangen, so erwarb er diese 1766 in Alt-dorf, nahm aber eine ihm dort sich bietende Professurder Jurisprudenz nicht an, sondern begab sich nachdem nahen Nürnberg, wo er sich in die mystischenGrübclforschungen der Kabbala und Alchymie versenkte,doch riß ihn sein guter Genius aus diesen Irrgärtenvoll früchtcloscr Bäume.
Die Bekanntschaft mit dem Kanzler des Kurfürstenvon Mainz, Frcihcrrn von Boineburg, der einem Adels-gcschlecht entstammte, welches der Wissenschaft wie demKricgsruhme eine große Anzahl bedeutender Männerstellte, führte Leibnitz nach Mainz, wo ihn der Kur-fürst zum Rath ernannte. In die Zeit seines Mainzer'Aufenthaltes fällt die Abfassung mchrcr wichtigen Schrif-ten, dann geleitete er 1772 die Söhne von Boincburgsnach Paris und London und machte die willkommenste