Nach Beendigung dieser Feldzüge wurde Fürst Leo-pold an die Spitze des gegen die Niederlande gesand-ten preußischen Heeres gestellt, und zum Generalfeld-marschall und geheimen Kriegsrath erhoben. NachKönig Friedrichs Tode schenkte auch dessen Nachfolger,König Friedrich Wilhelm I. dem wackern und ruhm-vollen Dessaner volles Vertrauen und herzliche Zunei-gung. und beide zogen 17 >5» gemeinschaftlich miteinanderzu Felde gegen König Karl Xll. von Schweden . FürstLeopold war die Seele auch dieses Feldzuges, er ge-wann die Inseln Rügen und llsedom, eroberte Stral-sniid, und demüthigte den heldcnherzigen Schwedenkönig.9!ach Beendigung der Feldzüge war er es vor allen,der durch die strengste Disciplin und Dressur das Heer,besonders das Fußvolk, daö er vorzugsweise liebte, inunausgesetzter Uebung kricgsfertig hielt und zu großenUnternehmungen vorbereitete.
Friedrich II. , obgleich mit Leopold nicht nahe be-freundet, wußte nicht minder, wie -er Vater und Groß-vater, seinen Werth als Helv und Krieger zu schätzen,und bediente sich seiner Erfahrung in den schlesischenKriegen. Vornehmlich in diesen war es, wo der nunwirklich alte Dessaner sich dem Feinde auf das äußerstegefürchtet, dem Heere, an dessen Spitze er stand undfocht, im höchsten Grade beliebt machte. Er verstand es,die Göttin des Sieges für Preußens Fahnen anzuwer-ben, sein Feldhcrrenleben war eine fast ununterbrocheneKette von Siegen. Das stete Leben des Feldlagers,der beständige trauliche Verkehr mit den Soldaten, denener alles war, machten freilich des alten Dcssaners We-sen rauh unv bisweilen selbst roh. Der Mann derSchlachten konnte nicht auch zugleich der Mann derfeinen Bildung sein. Flüche und Prügel waren unterseinem eisernen Ladestockregimcnt an der Tagesordnung.
Zu unvergänglichem Nachruhm hals dem altenDessaner sein letzter Sieg, bei Kefselsdvrf, am 15. Dec.17^5. Bei diesem nahe bei Dresden gelegenen Ort standLeopold mit seinen Preußen dem sächsischen Heere unterAnführung des Herzogs von Weißensels und des Feld-marschalls Rntowsky gegenüber, welche alle Anhöhenrings um den Ort besetzt hielten. Dennoch griff Leo-pold mit seinen Grenadieren unerschrocken an, undbrachte dem Feinde eine furchtbare Niederlage bei. Sie-ben Fahnen und 62 Kanonen wurden erobert, 6506Mann gefangen, und durch diesen Sieg dem Gegner derFriede von Dresden abgenöthigt, welcher dem Preußen -könige aufs neue den Besitz Schlesiens und l MillionThaler Kriegsentschädigung von Seiten Sachsens sicherte,und den erschöpften Ländern deS Kriegsschauplatzes auseine Reihe von Jahren mindestens den heißersehntenFrieden sicherte. Das war gewiß eine große That,welche deutsche Völker dem Hcldenschwerte des altenDessaucrs dankten, leider sollte sie auch seine letzte sein.Bei einem Mittagsmahle in Berlin , an seines KönigsTafel rührte den bejahrten Helden der Schlag. All-gemein betrauerte das preußische Heer und sein Landden rnhmgckrönten Feldherrn.
Als Landesherr war Leopold einfach in Tracht undHofhält, und bei aller Härte und Rohheit gutmüthigund zugänglich, deshalb beim Volke ebenso beliebt alsgefürchtet. Als Krieger theilte er jede Beschwerde derFeldzüge mit dem gemeinsten Soldaten, hielt aber aufdie strengste Mannszncht. Viele zum Theil sehr hu-moristische Anekdoten von ihm leben noch im Mundedes Volkes; sein Denkmal schmückt Berlin und seineBildsäule auch jenes jüngst errichtete Denkmal seinesgroßen heldenmüthigen Königs.