sein Standquartier zu Frankfurt an der Oder hatte,und indem er sich 1770 an dessen Spitze stellte, strebteer dahin, durch geeignete Thätigkeit eine ihm und sei-ner 'Abkunft ziemende Stellung einzunehmen und eineLaufbahn zu verfolgen, die ihm volle Beschäftigung,Ehre und Auszeichnung bot.
Ebenso in einem kriegerisch bewegten Leben, als inder Muße, die das Standquartier gewährte, blieb PrinzLeopold sich gleich in der Liebe zu den Wissenschaften,in edler Denkart und in einer Herzen gewinnendenMenschenfreundlichkeit. Die höchste Einfachheit seinerLebensweise bot ihm die Mittel zu unbegrenzter Wohl-thätigkeit, die er nach vielen Richtungen hin bethä-tigte; dabei zeichnete ihn aber auch jede Tugend desMilitairs aus, vor allen Muth und persönliche Tapferkeit.
In den Jahren 1778 u. 1779 machte Prinz Leo-pold unter dem Oberbefehl des Prinzen Heinrich vonPreußen den Feldzug nach Sachsen und Böhmen gegenOesterreich an der Spitze seines Regimentes mit, fehltebei keinem Gefecht und drang oft muthvoll weiter vor,als nöthig und aus strategischen Gründen anrathsamwar. Nach erfolgter Rückkehr nach Frankfurt a. O.fuhr Prinz Leopold fort, durch seinen Wohlthätigkeits-sinn, seine Humanität und die Biederkeit seines Wesenssich die Liebe aller Menschen zu gewinnen. Er ließarme und verwaiste Kinder erziehen, ließ sie Hand-werke erlernen, suchte häufig Hülfebedürftige persönlichauf, um sich von deren Lage zu überzeugen und zusehen, wie am wirksamsten zu helfen sei, und scheuteselbst nicht persönliche Gefahr, wenn es galt, beiBränden oder bei den so häufigen Austritten der Oderbedrohtes Menschenleben oder Eigenthum retten zu
helfen. So dankte namentlich im Jahre 1780 Frank-furt bei einer großen Ueberfluthung der Thätigkeit undGeistesgegenwart des Prinzen Leopold von Braun-schweig fast ausschließlich die Rettung vom Untergänge,indem der Prinz durch die anhaltendste und angestreng-teste persönliche Thätigkeit und durch sein kühn voran-gehendes Beispiel den Durchbruch eines Dammes ver-hinderte.
Eine solche Ueberschwemmung der Oder sollte leidereinem so edlen und würdige» Dasein das irdische Zielbereiten; sie erfolgte im April 1785 und setzte eineVorstadt Frankfurts fast ganz unter Wasser. DerHülfcruf der Bewohner jener von den Wogen um-rauschten Häuser drang schauerlich durch das Brausender Fluth; der Prinz bestieg einen Kahn und ruderteallein nach einem der am meisten bedrohten Häuser,die Warnungen und flehenden Bitten seiner Umgebung,sich nicht in das drohende Verderben zu stürzen, mitkühner Todesverachtung überhörend. Schon war derPrinz jenem Hause in seinem Kahne nahe, da stießder letztere mit Heftigkeit an einen schon überfluthetenWeidenstamm nnd schlug in Folge dieses Anprallesund des entgegen kommenden Wogenschwalles um.Ein Schrei des Entsetzens erscholl vom Strande, wiedie wirbelnde Fluth den edlen Prinzen mit sich fortrißund dann verschlang. Erst sechs Tage nach dem Un-glück wurde die fürstliche Leiche gefunden. Nicht nurganz Frankfurt, ganz Deutschland betrauerte den Opfer-Tod des heldenmüthigen Prinzen, und Bildnisse sonneein ihm in Frankfurt a. O. errichtetes Denkmal über-lieferten der Nachwelt seinen Namen mit dem ehrendenSchmuckwort: der Menschenfreund.