hielt, und er benutzte diese Gelegenheit, sich auch dieKenntniß der schwedischen, finnischen und russischen Sprache anzueignen, während er zu gleicher Zeit vomportugiesischen Gesandten dessen Landessprache erlernte.Er durchreiste Schweden , besuchte die Kupferbergwerke,lernte Olav Worms kennen und kehrte 1631 in seineVaterstadt zurück.
Im Jahr 1632 trat Ludolf in die Dienste desHerzog Ernst I. zu Sachsen Gotha, und sein ersterDienst war ein Auftrag seines Herrn und dessen Bru-ders Herzog Wilhelm zu Sachsen Weimar , nachBrcisach zu reisen und die irdischen Ueberrcste des Bru-ders beider, Herzogs Bernhard des Großen abzuholenund nach der thüringischen Hcimath zu führen. Hiob'sfrommer Gebieter, der sich warm die Ausbreitung derchristlichen Religion in fremden Zonen angelegen seinließ, freute sich, den sprachenkundigcn Mann, der nachdem Morgenlande zu correspondiren im Stande war,denn Ludolf sprach zum Theil oder verstand doch 25verschiedene Sprachen Europas, Asiens und Afrika's ,als seinen Diener zu besitzen; doch mußte Ludolf zu-nächst als Staatsmann Dienste leisten, wurde als Ge-sandtschaflSsccrctair auf den Reichstag nach Negcnsbnrgentsendet, ebenso im Jahr 1665 als Hof und Justiz-rath nach Leipzig zu einem Knrsächsischcn und Hcrzogl.S. Konvent und stand lange Zeit an der Spitze derGothaischcn Hofdiencr und Räthe in den wichtigstenSendungen und Geschäften; bereits 1634 war er zumHofmeister der Prinzen Herzog Ernstes ernannt worden;der Herzog hatte eigenhändig eine Norm der Erziehungfür dieselben entworfen. Im Jahr 1658 wurde Ludolfzum Hofrath ernannt und mußte in Altdorf eineDissertation vertheidigen. Mit dem dritten Sohneseines Gebieters, Prinz Albert , ging Ludolf auf Reisen,lernte am Hofe zu Braunschweig den gelehrten HerzogAnton Ulrich kennen, dann in Alton« die berühmteAnna Maria von Schurmann, besuchte mit seinemZögling den dänischen Hof Christian V. , dann jenenCarl Xl. zu Stockholm , und kehrte im Jahr 1675nach Gotha zurück.
Nach dem 1675 erfolgten Tode Herzog Ernst I. erhielt Ludolf die Stelle eines Kammerdirektors zuAltcnburg vorn ältesten Sohne des vercwigren Landes-herrn übertragen, wurde im folgenden Jahre mit einerGesandtschaft an den Brandenbnrgischcn Hos zu Berlin betraut und hatte das Unglück, seine Frau durch denTod zu verlieren, während er vom Hause fern war,wodurch ihm alle Staatsgeschäfte verleidet wurden.Er kam um seine Entlassung ein und erhielt diese, docherst 1677, unter den ehrenvollsten Ausdrücken der ge-rechtesten Anerkennung seiner geleisteten Dienste, mitdem Titel eines Geheimen Rathes, worauf er seinenWohnsitz in Frankfurt a. M. aufschlug, um ganz denWissenschaften zu leben, doch hinderte dieß nicht, daßihn die Sachsenhcrzoge als ihren außerordentlichenGesandten und Botschafter betrachteten, Knrpfalz ihnzum Kammerdirektor ernannte und Kaiser Leopold ihn1690 zum Vorsitzenden des Kaiserlichen historischenKollegiums erhob.
Einen großen Theil der Zeit des thätigen Mannesfüllte die Abfassung seiner zahlreichen Werke aus; erschrieb unter andern eine gründliche Geschichte Aethio-piens, einen Commentar über dieselbe nebst einem An-hang, eine Grammatik des Reiches Amhara, nebst einemamharisch-lateinischen Wörterbuch, ein äthiopisch latei-nisches Wörterbuch nebst einer betreffenden Grammatik;ferner gab er die Psalmen äthiopisch und lateinischheraus, schrieb die Allgemeine Schaubühne der Weltin 2 Folianten, und viele andere kleinere Abhandlungenund Briefe, und war dabei von Frankfurt aus eineifriger und unermüdlicher Berichterstatter aller poli-tischen Neuigkeiten an die Sachsenherzogc. Zu einerZeit hatte er gar nicht übel Lust, selbst nach dem ge-liebten Aethiopien und Amhara zu reisen, mindestensreiste er noch nach Frankreich , verkehrte viel mit Orien-talisten und forschte nach äthiopischen Schriften in dendortigen Bibliotheken. Ludolf war dreimal verheirathet;er erfreute sich eines glücklichen, geistesfrischen Alters^ und leise bcschlich ihn der Tod nach einem ruhmvollen> und thätigen Leben.