Druckschrift 
Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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Friedrich von Matthisson.

Geb. d. 25. Jan. 1761, gest. d. 12.März 1851.

Matthisson war ein wahrhaft liebenswürdiger Dichterund blieb lange Zeit Liebling seiner Nation, der sichebenso musterhaft als anmuthig in lyrischen Formenbewegte und anregend und fördernd durch Sammlungund Auswahl vaterländischer Dichter wirkte. Er genoßals Sohn eines Predigers, zu Hohendodeleben beiMagdeburg geboren und früh verwaist, die Erziehungeines ihm verwandten Pfarrers in Krakau, eben-falls in Magdeburgs Nähe, und so mag schon früh-zeitig das Stillleben ländlichen Friedens tiefen Ein-druck in seine Seele geprägt haben, das er mit denlieblichsten Farben in seiner Kindheitidylle: «Die Pappel-weide zittert« geschildert hat. Im 14. Lebensjahreschied Matthisson aus dem Jugendparadiese, vom «Mag-netenberg» der Sagen und kam auf die Schule zuKlosterbergen, von wo er die Universität Halle bezogund der Theologie sich widmete. Als jungen Erzieherberief man ihn an das Philanthropin zu Dessau, dochblieb er dort nicht lange, sondern nahm eine sich dar-bietende Hofmeisterstelle bei einer Gräfin Sievers ausLiefland an, deren Söhne er in Dessau mit unter-

richtet hatte, und mit denen er später reiste. Matthissonlernte in Hamburg Klopstock, in Wandsbeck Claudiuskennen, Goethe's und der übrigen berühmten Weimarerpersönliche Bekanntschaft, so wie die v. Dalberg's hatteer schon früher gemacht. Das Jahr 1785 führte ihnin Heidelberg zu Bonstetten, 1786 war er in Mann-heim und im darauf folgenden Jahre in Nyon, woder Freundschaftsbund mit dem dort heimischen Bon-stetten sich erneute und wo der fleißige und geistvolleNaturforscher und Naturphilosoph Charles Bonnet ihnin die Kreise seiner Neigungen zog. Heiter angeregtverlor sich die trübe krankhafte Stimmung, von welchersich Matthisson eine Zeitlang ergriffen gefühlt hatte;er fand sich heimisch außerhalb der deutschen Heimath,in dem milden Klima südlicher Gelände, ging 1789als Hauslehrer nach Lyon und lernte die dort lebendendurch und durch poetischen Menschen v. Salis undFricderike Brun kennen, welche letztere mit ihremGatten auf einer Reise durch Frankreich in die Schweizbegriffen war. Matthisson lebte in dem schönen Kreisegebildeter und zartfühlender Geistesverwandten theils in