Druckschrift 
Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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Verfassung, bahnte eine allgemeine Landesverfassung an,und zwar schau 1808, die indeß eine Frucht war,welche nicht zur Reife und Zeitigung gelangte, ordnetedie gutsherrlichen Verhältnisse, hob die Leibeigenschaftauf, und nachdem zumal die traurigen Kriege, Heeres-märsche und Durchzöge vorüber waren, suchte er nachallen Richtungen hin das schwer heimgesuchte Bayerlandwieder zur Blüthe zu heben. Sicherheit des Landeswurde angestrebt, Verbesserung der Straßen, derenMehrzahl gegen das Ende seiner Regierung alsMuster galt, nicht minder bessere Verwaltung derForste, Bergwerke und Salinen war MaximiliansWerk. Die wundersame Leitung der Salzsoole vonBerchtesgaden über einen hohen Gebirgspaß nachReichenhall, und durch das reizende Thal von Juzellnach Traunstein und bis Rosenheim kam unter ihmzu Stande und ist ihm ein würdiges Denkmal. Einmit dem Papst 1817 abgeschlossenes Concordat regelteBayerns kirchliche Angelegenheiten; 1818 wurde einEdikt erlassen, das neue Gemeindeversassungen für dieStadt- und Landgemeinden enthielt und einige Tagenach dessen Erlaß gab der König seinem Lande undVolke die mit Jubel begrüßte Verfassung, obschondieselbe octroirt wurde. Die Grundzüge derselben waren:Freiheit der Gewissen, Staat und Kirche streng aus-einander gehalten, Freiheit der Meinungsäußerung mitVorbehalt gegen deren ungesetzlichen Misbrauch, Gleich-heit vor dem Gesetz, Unaufhaltbarkeit der Rechtspflege,eine Landstandschaft aus allen Classen der Staatsbürger,um auf öffentlichen Landtagsversammlungen die Weis-heit der Berathungen zu verstärken, nicht aber wievon so vielen neuzeitlichen Landtagen da und dort ge-schehen die Kraft der Regierung zu schwächen.Zwei Kammern, die Reichsräthe und die Abgeordnetenbilden das Gremium der Vertreter des Landes und desVolkes; die Mitglieder der ersten Kammer, zu derauch die volljährigen Prinzen des königlichen Hausesgehören, ernennt der König selbst, die zweite bildendie Grundbesitzer mit gutsherrlicher Gerichtsbarkeit, dieAbgeordneten der katholischen und protestantischen Geist-lichkeit, die der Universität, der Städte, der Märkteund der übrigen Landeigenthümer, auf 7000 Familien1 Abgeordneter. Besitzlose Vertreter und Schreierschloß dieser Wahlmodus weise aus. Zehn Edicte er-weiterten später noch die Verfassung, welche eine derersten von deutschen Bundesfürstcn gegebene war.

Außerordentlich viel that der biedere König fürBoden- und Forstcultur, für Fabriken und Manufac-turen; nützliche Lehranstalten wurden errichtet, Wissen-schaften und Künste gepflegt. Drei blühende Hochschulenzählte Bayern, zu Landshut, Erlangen und Würzburg.Die Aufhebung der allzuzahlreichen Klöster, 200 ander Zahl, durch die königliche Regierung, konnte undmußte freilich von verschiedenen Standpunkten verschiedenbeurtheilt werden; sie war gewiß in vieler Beziehungnützlich und nothwendig, wenn man aber die Behaup-tung aufstellt, daß durch die gesammelten literarischenKlosterschätze ein geistiger Gewinn für die Gelehrsamkeiterzielt worden, so irrt man, denn jene Aufhebung hattenur eine grenzenlose Verwüstung und Verschleppung zurFolge; die seltensten alten Druckwerke, die herrlichsten Ge-.mälde und Altarschnitzereien, die kunstvollsten Geräthewurden in die Hände einzelner meist jüdischer Händlerund Antiquare verstreut, auch mittelbar oder unmittelbaran Privatsammler in und außer dem Lande verkauftund verschleudert, und daß man den altehrwürdigenHochstiften Bamberg, Würzburg u. a., um Münchenzu bereichern, ihre werthvollsten Druckseltenheiten undgeschichtlichen Urkunden entzog, bleibt von Seiten dererstern eine dauernde Klage und ein steter Vorwurf.

Am 16. Februar 1824 feierte König Marimilian I.Joseph sein fünfundzwanzigjähriges Regierungs-Jubi-läum und mit ihm feierte dieses sein ganzes, durch ihnwahrhaft beglücktes Volk, welches dankbar erkannte,was es an ihm hatte, einen milden und menschen-freundlichen, gütigen und wohlthätigen, sitteneinfachenund anspruchlosen Regenten. Nur 1 Jahr und 8 Mo-nate überlebte der König sein Fest, er verschied plötzlichNachts und schmerzlos im Lustschlosse Nymphenburg.Immer noch bekränzt erinnerungtreue Liebe der Mün-chener Bürger des Königs Denkmal an seinem Namens-und Todestage.