Druckschrift 
Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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Schule zu Nürnberg ein, schrieb Visitationsariikel uuvleistete bei der grüßen Kirchenvisitation in Kursachsendie wesentlichsten Dienste. Aus dem Reichstage zuSpcicr 1529 trat Mclanchton kräftig dagegen aus,daß man die Bekenner der Lehre Zwingli's ungestörtverdammen wollte, wie er sich denn den Schweizer -Reformatoren nicht ganz abgeneigt zeigte und gemäßigterüber ihre Lehrsätze urtheilte als Luther. Melanchton gab den von Luther entworfenen Glaubenslehren, diedem Augsbnrger Reichstag 1530 vorgelegt wurden,Form und milde Fassung, nachdem er schon 1529 ausdem Religionsgcspräch zu Marburg mit kluger Sorg-falt zu einigen gesucht hatte, so viel als möglich war.Ebenso verfaßte Melanchton die Apologie des evan-gelischen Bekenntnisses und gründete sich durch diesebeiden Arbeiten in der ganzen Protestantischen Kircheden Anspruch auf Dankbarkeit für ewige Zeiten. Bisüber Deutschlands Grenzen erscholl Melanchwns Ruhm,die Könige von Frankreich und von England ließenehrenvolle Rufe an ihn ergehen, allein der Kurfürstvon Sachsen enturlaubtc ihn nicht, er blieb Deutsch-land erhalten zu noch lange dauernder Lebensarbeit,zu manchem Kampfe. Oft und viel mußte der mildefromme Melanchton den herben Kelch der Verkennungleeren, oft ward er angefochten und befehdet um seinerMilde nullen, seiner versöhnlichen Sinnesart willen,nur einer war, der ihn ganz kannte, der ihn über-

aus hoch schätzte, der bei aller eigenen Heftigkeit undStrenge den Charakter des Freundes stets im unge-trübten Glänze seiner Reinheit und Klarheit sah, unddas war Luther. Als Luther 15-16 dahingeschiedenwar, und noch endlose Religionskämpfe drohten, warMelanchton Haupt und Stütze der Reformation, aberer war es unter großen Mühen und schweren Sorgen.Eine bedeutende Anzahl der protestantischen Gottesge-lehrten sahen alles Heil für die neue Lehre und dasgeläuterte Evangelium nur im starren festhalten anNormen und Formen; da dies bei Mclanchton nichtder Fall war, da dieser stets Wege suchte, Hader zuvermeiden und zu verhüten, zu einigen statt zu spalten,da ward er verdächtigt und verketzert, und als Ver-rath und Treulosigkeit ward gedeutet, was in seinemCharakter nur Milde und mindere Festigkeit war. Seinemehrfach begonnenen Einigungsvcrsuche scheiterten all-zumal, und der Schmerz über so manche Kränkung,manche Trennung, nagte an seinem Herzen. 1557verlor Mclanchton auch die treue Gattin, und das Lebenhörte auf noch Reiz für ihn zu haben. Auf einerReise von Wittcnberg nach Leipzig , in rauher Jahres-zeit, ergriff den durch geistige Schmerzen schon fürKrankheit empfänglicher gemachten Leib ein Wcchselfieber,das ihn dem Tod in die Arme führte. Unsterblichklingt sein Name neben Luthers Namen fort, und seinRuhm blüht unvergänglich.