in Düsseldorf als städtischer Musikdirektor eine Wirk-samkeit gefunden hatte, auch eine kurze Zeit an demvon Jmmermann begründeten Theater thätig gewesenwar, wurde er 1835 nach Leipzig zur Direktion derGewandhauseoncerte berufen. Hier schuf er sich durchdie außerordentlichen, durch seine Persönlichkeit und Bil-dung bedingten Leistungen als Dirigent einen glänzen-den Wirkungskreis, von hier aus trat er mit dem«Paulus » in die Reihe der großen und berühmten Kom-ponisten. Eine Berufung nach Berlin (1842) alsGeneralmusikdirektor hatte dennoch nicht zur Folge,daß er dort eine bestimmte und befriedigende Wirksam-keit fand; er kehrte seit 1845 nach Leipzig zurück, woer besonders am Konservatorium für Musik thätig war.Dort machte unerwartet ein rascher Tod seinem thäti-gen, vom Glück rcichgeschmückten Leben ein Ende.
Mendelssohn war ungemein fleißig und hat, ob-gleich er sorgfältig arbeitete und feilte, nach den ver-schiedensten Richtungen eine bedeutende Produktion ent-faltet. Den ersten Platz nehmen seine Kirchencompo-sttionen (Paulus, Ellas, Lobgesang, Psalmen u. A.)ein, denen sich die Kompositionen der Antigone, desOedipus, des Sommernachtstraums anschließen; dieOpern seiner Jugend hat er selbst zurückgelegt, überder Vollendung der Lorclcy ist er hingestorben; seineLieder sind allgemein dnrchgedrungen wie wenige. Auchfür Instrumentalmusik in allen ihren Zweigen ist erthätig gewesen; seine Concertouverturen, wie imKleincndie Lieder ohne Worte schlugen einen neuen Weg ein,den seine Nachfolger breitgetreten haben.
Wenn Mendelssohn schon im Leben Popularitätund Ruhm fand wie wenige, wenn enthusiastische Be-
wunderer sein Lob hie und da übertrieben, so ist dieungerechteste Verkleinerung seiner Verdienste auch nichtausgeblieben. Er ist dem immer mehr einreihendenDilettantismus entgegengetreten, indem er durch dieThat bewies, daß gründliches Studium, vollkommeneBeherrschung der Form, die Bedingung künstlerischerLeistungen sei; und daß es hierbei nicht eine geistloseNachahmung veralteter Formen, sondern die geistigeBelebung der unvergänglichen Kunstgesetze galt, dafürzeugt die unmittelbare Wirkung, mit welcher er dieGegenwart ergriff. Er setzte namentlich in der Kirchen-musik an die Stelle eines geistlosen Schlendrians eineim Wesen des Protestantismus begründete Liebe undlebendige Auffassung, und indem er überhaupt auseiner schlaffen Gegenwart zurückgriff in eine größereVergangenheit, strebte er mit Erfolg die unversiegbarenQuellen des Wahren und Schönen wieder zu erwecken.Können wir ihn auch, was die Größe und Tiefe sei-ner Productionskraft anlangt, nicht den ersten Meisternzurechnen, so darf man deshalb doch seine Produktivi-tät nicht gering schätzen, und ein unablässig auf dasEdle und Schöne gerichtetes Streben, eine feine Bildung,die sich im künstlerischen Maaßhalten bewährt, eine voll-kommene Meisterschaft in der Form, sind hohe Vor-züge, die der allgemein gehaltene Vorwurf der Re-flexion nicht zu schwächen vermag. Wenn die Leiden-schaften, welche der außerordentliche Einfluß Mendels-sohns auf die Gegenwart erregt hat, verraucht sind,wird die Thatsache dieses Einflusses schon den hohenWerth eines bedeutenden, edlen, in sich harmonischausgebildeten künstlerischen Talentes bewähren.