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Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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Madonna saß, gewann seine Liebe, welche sich so sehrsteigerte, daß er, um die Geliebte heirathen zu können,zur katholischen Religion übertrat.

Im Jahre 1749 reiste Nafacl Mengs nach Dresden zurück und wurde mit einem bedeutenden Gehalt dortzum Hofmaler ernannt, ging aber bald darauf aber-mals nach Nom, um für die Dresdner Hofkapelle einAltargemälde zu beginnen. Der siebenjährige Kriegwurde Anlaß, daß Rafacl's Gehalt ausblieb, und ersich genöthigt sah, auf selbstständigen Erwerb durchseine Kunst zu denken, und es fehlte ihm nie an wich-tigen Aufträgen. Als erstes seiner bewunderten Fresco-gcmälde wird die Decke im Coclestinerkloster St. Eusebio genannt, andere Kunstwerke folgten in rascher Voll-endung; eine Reise nach Neapel gab dem Künstlernicht die gehoffte Befriedigung und nach nur kurzemAufenthalt kelwtc derselbe nach Rom zurück, wo er dieLeitung einer neucrrichteten Malerakademie annahm,mit Ernst und Eifer seine Kunststudien im Verein mitdem ihm befreundeten Winckelmann theilte und aufdiesen wesentlich bildenden Einfluß übte.

Im Jahre 1761 traf ein Ruf König Karl's III. vonSpanien nach Madrid den Künstler; er reiste nachSpaniens Hauptstadt und empfing die Anstellung alsHofmaler deS Königs mit 2000 Dublonen Gehalt,sah sich von: Hofe, wie von den Künstlern Madrids mit den größte» Ehren empfangen, und malte einigeseiner vorzüglichsten Bilder, litt aber unter dem Einflußdes spanischen Klimas, und benutzte dieß Wankenseiner Gesundheit, um einen Urlaub auf mehrere Jahrezu erbitten, nach dessen Erlangung er wieder nachseinem geliebten Rom zurückkehrte und dort abermalsdrei Jahre in rastloser Thätigkeit zubrachte. NachAblauf dieser drei Jahre ging Nafacl Mengs wiedernach Madrid zurück und malte dort die ApotheoseTrajans , das bedeutendste seiner zahlreichen Bilder, denTempel des Ruhmes, und den Theaterplafond zu Ar-ranjucz innerhalb zweier Jahre Arbeiten, deren

Umfang und die Anstrengung, welche sie erforderten,dazu beitrugen, die ohnehin schwankende Gesundheit desrastlos thätigen Künstlers vollends ganz und gar zuuntergraben. Mengs sah sich dadurch genöthigt umseine Entlassung nachzusuchen, die ihm auf das ehren-vollste, und mit lebenslänglichem Gehalt, zu Theilwurde.

Im Jahre 1776 begab sich Rafael Mengs nachRom zurück und sah sich noch einige Zeit glücklich imSchooße seiner Familie; es waren ihm zwanzig Kindergeboren worden, davon noch sieben lebten, denen abernach zwei Jahren der Tod die Mutter raubte. Nochein Jahr, und Mengs selbst folgte seiner geliebtenund vortrefflichen Frau, ohne den seinigen an Ver-mögen viel zu hinterlassen, denn er besaß die Künstler-tugend der Freigebigkeit, unterstützte reichlich jungeTalente, spendete Wohlthaten an Bedürftige, und vb-schon er viel zu fleißig gewesen war, um in flüchtigenZerstreuungen Geld zu zersplittern, so hatte er dochtrotz der großen Summen, welche er einnahm, nichtserspart, und seine Angehörigen bedurften sogar derUnterstützung seiner Freunde. Als Mensch war RafaelMengs schüchtern und ohne gesellige Talente, wenigentschieden und wenig anderen sich annähernd. SeineGemälde beurkunden das stete Bestreben, die Kunst derMalerei wieder auf eine höhere und edlere Stufe zuheben, was er auch durch mehrere kunstgeschichtlichcund kunstphilosophische Schriftwerke an Tag legte. Erschrieb über die drei größten Meister Italiens : Rafael,Tizian und Correggio , über die Werke Nafael's inSpanien , verfaßte einen praktischen Unterricht in derMalerei, und mehrcres andere. Sein Bcgräbniß warein höchst ehrenvolles, die Akademiker und KünstlerRoms folgten seinem Sarge und gaben ihm feierlichesGeleit zur Gruft in Sän Michaclc grandc. RitterOtto d'Azara ehrte den deutschen Künstler durch einDenkmal, und gab dessen Wer kein italienischer Sprache1785 heraus.