forderungen fortwährend ausgesetzt. Einer solchen Be-handlung mnde, nahm er im I. 1777 seinen Abschiedund trat eine Kunstrcise an, um, wenn es ihm inDeutschland nicht glücken sollte, in Paris sich Ruhmund Geld und von da aus eine Stellung zu erwerben.Da der Vater seinen Posten nicht verlassen konnte,ließ er die Mutter mit dem Sohn reisen, den erallein nicht in die Welt zu senden wagte. Froh sei-ner Freiheit lief der Jüngling in die Welk, der erin argloser Gutmüthigkeit vertraute, wie sehr ihnauch der erfahrene Vater warnte, seiner Stellung inder Kunst und seiner Erfolge ohne alle Ueberhcbnngsich bewußt, jugendlich heiter bis zur Ausgelassenheit,nur ernst und entschieden wo es die Kunst galt, offenund zugänglich, lebhaft und zum Spott geneigt, aberohne alle Anlage für Wirthlichkeit — da tonnten harteErfahrungen nicht ausbleiben. Nachdem er in München durch Versprechungen lange hingehalten war, ging ernach Mannheim , um dort dasselbe zu erfahren. Hierfesselte ihn eine lebhafte Neigung für eine junge SängerinAlopsia Weber; der Wunsch sie zu besitzen rief Plänehervor, wie sie ein leidenschaftlicher Jüngling macht. Esbedurfte der ernsten Aufforderung des Vaters ihn zurReise nach Paris zu bewegen. Allein auch hier schlu-gen seine Erwartungen fehl. Das Interesse, das manfür das Kind gehabt, wollte sich jetzt nicht erneuern; sichGunst zu erschmeicheln verstand er nicht, und durchUnterricht sich seinen Unterhalt zu sichern, widerstrebteseiner Statur. Um seine Lage vollends unerträglich zumachen starb seine Mutter, die zwar keinen nachhaltigenEinfluß auf ihn geübt hatte, aber herzlich von ihmgeliebt war. Als daher von Salzburg , wo man ihndoch sehr ernstlich vermißte, die Berufung zum Hof-und Dom-Organisten mit freierer Stellung und erhöh-tem Gehalt an ihn erging, entschloß er sich, da seinVater sehnlich wünschte ihn in einer gesicherten Stellungund in seiner Nähe zu sehen, dieselbe anzunehmen under reiste, ungern und langsam, nach Salzburg zurück.In München sah er seine Alopsia wieder, fand aberihre Steigung für ihn erkaltet, und so mußte er auch dieseWunde mit nach Hause bringen (1780). Stock; imselben Jahr bekam er den Auftrag für Müncben dieOper Ickomonoo zu schreiben, welche er dort im Januar1781 mit außerordentlichem Beifall auf die Bühnebrachte. Mit diesem Werk war der große Künstlervollendet. Im Genuß wohlverdienten Ruhmes, untertreuen Freunden verlebte Mozart in dem lebenslustigenMünchen frohe Tage, als ihn der Erzbisckwf zu sichnach Wien berief. Hier wurde er nicht als Künstlersondern als Diener angesehen, und sah sich einer un-würdigen Behandlung, ja gemeinen Beleidigungen aus-gesetzt, so daß Mozart um seine Ehre zu wahren seinenAbschied nehmen mußte. Er blieb in Wien , wo erzunächst als Klaviervirtuose sich geltend machte unddurch Coneerte und Unterricht seinen Unterhalt sicherte.Kaiser Joseph aber, der auf ihn aufmerksam war, über-trug ihm für die unlängst von ihm begründete deutsche
Oper die Komposition der „Entführung aus dem Se-rail " (1781). Glücklich sich in seine Sphäre versetztzu sehen vollendete er mit einem wahren Feuereiferdiese Oper, welche von vortrefflichen Sängern ausge-führt das Publiennp entzückte. Dennoch erhielt Mozart keine neuen Aufträge; man ließ die deutsche Oper ver-fallen, bis sie endlich der italienischen wieder Platzmachen mußte. Neid, Mißgunst und Verläumdnng,welche Mozart, der freilich nicht das Muster einesordentlichen Haushälters war, als einen ausschweifen-den Lüstling schilderte, fand besonders durch Salieri Eingang beim Kaiser Joseph und selbst Glauben undVerbreitung bis über Mozarts Grab hinaus. Umdieselbe Zeit verheirathete er sich mit Constanze Weber ,einer jüngern Schwester der Alopsia, mit welcherer eine glückliche Ehe führte, wie er denn in allenVerhältnissen ein zartes, liebevolles Herz bewährte.Wie groß auch Mozart's Ansehen bei Künstlern undKennern war, so hat er doch in Wien bei Lebzeiten keineallgemeine Anerkennung gefunden. „Die Hochzeit desFigaro ", durch den unerschöpflichen Strom heitererLaune, feine und geistreiche Charakteristik und meister-hafte technische Behandlung die erste komische Oper derWelt, gefiel 1786 so wenig als 1790 Losi kau tutts,Der Beifall, welchen Figaro in Prag erhielt, veranlaßteihn für Prag 1787 den Don Juan zu schreiben, der alsdie Oper der Opern anerkannt ist, in Prag mit Enthu-siasmus aufgenommen, in Wien nach der dritten Auf-führung bei Seite gelegt wurde. Unglaublich ist dieFruchtbarkeit, mit welcher Mozart in 10 Jahren seinesAufenthalts in Wien eine Fülle von Kompositionen allerGattungen, für Gesang, Orchester und Soloinstrumcntehervorbrachte, die fast alle nicht nur selbständigen Werthals Kunstwerke haben, sondern einen wesentlichen Fort-schritt der Kunst bezeichnen. Auch als Virtuos aufdem Klavier behauptete er den ersten Rang, wie ernoch in den Jahren 1789 und 1790 auf mehreren Kunst-reisen bewährte, die hauptsächlich unternommen warenum seine äußere Stellung zu verbessern. Eine sorgen-freie Eristenz hat er nie erreicht, oft sogar mit Sorgenzu kämpfen gehabt, und doch konnte er sich nicht ent-schließen, Wien und seinen Kaiser zu verlassen, alsihm in Berlin ein glänzendes Anerbieten gemacht wurde.Erst auf dem Todbett wurde ihm die Organistenstellcam Dom in Wien übertragen, die ihm ein sicheresunv genügendes Auskommen gegeben hätte. Die größteKraft und Fülle seiner Production aber ist in dasletzte Jahr seines Lebens zusammengedrängt. In diesemschrieb er zur Krönung des Kaisers Leopold für Prag den Titus, eine glänzende Gelegenheitsoper, die Zau-bcrflöte, welche seinen Ruhm auch unter den Unmün-digen und Kindern verbreitete und von außerordent-licher Bedeutung als die erste große deutsche Oper ist,und das Requiem, vom Grafen Walsegg bestellt unterUmständen, die eine Zeitlang einen mystischen Schleierüber dasselbe gebreitet haben, und über dessen Voll-endung ihn der Tod am 6. Dec. 1791 ereilte.