Druckschrift 
Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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Johannes Regiomontanus .

Geb. d. 6. Juni I-M, gest. d. 6. Juli IM.

^amillus Johannes Müller , letzterer der Vater-name des berühmten Mannes, wurde in dem StädtchenKönigsberg in Franken geboren, nach dem er spätersich nannte, oder nennen ließ, indem man den Namendes Städtchens ins lateinische übertrug, und verlebtedort in ziemlicher Dunkelheit seine ersten Jugendjahre.Noch steht zwischen andern in einer zur Höhe des herr-schaftlichen Amtssitzes sich emporziehendcn breiten Straßedas kleine Hans, alterthümlich, mit geschnitztem Holz-gebälk, im innern eng und düster, aus welchem dieserhelle Geist in die Welt trat, und oben an der Thüreeiner finstern Kammer, die auf den Gang führt, stehtnoch eine von ihm herrühren sollende Inschrift mitgroßen Buchstaben angeschrieben:

Lui vivso et our vivso boo no8voro ckiooo,

8i ksoi8 boo, ooolo clignu8 erio *).

Müller wählte zunächst die Hochschule Leipzig , woer sich mit Vorliebe dem Studium der Mathematik und

Wem du lebst und warum du lebst, dieß lerne erkenne»;Thust du dieses so wirst würdig des Himmels du sein.

Dialektik widmete, und begab sich von da, zur Fort-setzung dieses Studiums, nach Wien , wo er auch nacherlangter Magisterwürde vielbesuchte Kollegien las.Als sein hervorragendster Lehrer wird der gelehrteMathematiker Georg Peuerbach genannt. In Wien lernte Magister Johann von Kunsperk den CardinalBessarion kennen, mit dem er im Jahre lässt nachItalien reiste, um sich in der griechischen Sprache undLiteratur zu vervollkommnen. Er erreichte seinen Zweckauf das vollständigste, schrieb Uebersctzungen der Werkegriechischer Mathematiker, wie Apollonios Conica, Se-renos Cplindrica, Heron Pnenmatica, und erklärte inPadua vom öffentlichen Lehrstuhl den Alphraganus.Als dem deutschen Mathematiker der Aufenthalt inItalien nicht mehr zusagte, wandte er sich nach Ungarn ,widmete dem Könige Matthias Corvinus , dem ganz be-sondern Gönner der mathematischen Wissenschaften, seinetassuls sirimi mossilis, und empfing vom Könige einEhrenkleid, 800 Gulden und die Zusicherung einerlebenslänglichen Pension. Hierauf zog er nach Nürn-berg, verband sich dort mit Bernhard Walther , einem