lande wesentliche Dienste. Scheuchzcr baute die Stufen,auf denen andere bequemer und leichter, als es ihmgeworden war, aufsteigen konnten zu tieferem Ein-dringen in die Geheimnisse des an Naturschätzen soreichen AlpenlanveS; er brach die Bahn noch mittenim Nebelgefild naturhistorischer Vorurthcilc und Irr-thümer, und in einer Zeit, wo ein Naturalicnkabinetfast nur auö sogenannten Curiofltätcn und Natur-spielen bestand, wo man die keltischen Streitkeile undOpferincsser für Donnerkeile, die Belemniten für ab-gebrochene Tenfelsfingcr, die germanischen Urnen auchfür Kimm uatui-ao oder Fabricatc der Erdzwerge hielt,und auch die Versteinerungen kaum als etwas anderesansah, als für Spielsachcn, die sich und ihren Menschen-kindern znni Vergnügen Mutter Natur in guter Launezubereitet habe. Daher konnte eö nicht fehlen, daßauch Scheuchzcr ab und zu auf einen Irrweg gerieth;so glaubte er noch an einen Iinmo nntoellluvianus.Gleichwohl machte er sich durch seine Vorarbeiten umdie VcrsteincrungSkunde der Schweiz außerordentlichverdient; er gab ein llorlmrium Muvümum in einemFolivbandc heraus, ebenso ein 8>woii»eu litliograplüaolmlvotieao cuirlosno, eine Lutnol^smo^raplnu (Ueber-schwemnlniigskunve) Ilolvoliao, schrieb Schweizer-Alpen-reisen, eine Hydrographie, Meteorologie und Orpcto-graphie der Schweiz , und anderes, und setzte seinemverdienstlichen Wirken die Krone auf durch sein inmehreren Folianten bestehendes Pracht- und Kupfer-werk I'Iivsioa saora, welches Werk man sehen muß,um cS gerecht zu würdigen. Alles was irgend ineinem Buche oder Capitel der heiligen Schrift in denBereich der Natur gehört oder auch nur darauf hin-deutet, ist mit einem Aufwand umfassender Gelehr-samkeit beschrieben, gedeutet und naturwissenschaftlichbestimmt und durch gelungene, oft wirklich geistvolleKupfer erläutert, die alle von geniale» Arabesken, diesich nie wiederhole», umrandet, das beste bieten, was
jene Zeit in der Illustration nur immer zu leisten ver-mochte. Himmel und Gestirne, mctercologische Er-scheinungen am Firmament, Thier- und Pflanzenwelt,Metalle und Steine, alles ist erwähnt, nichts vergessen,was nur immer in den Büchern der heiligen Schriftvon Gegenständen der Natur erwähnt wird, und nichtetwa in einfacher Abbildung, nein, in Verbindung ge-setzt mit ansprechenden Scenerien aus^ der heilige»Geschichte, die vollendetste Bilderbibel, die man sichdenken kaun, nicht, wie so viele, einzig hervorgegangenaus des zeichnenden Künstlers Phantasie, sondern aufdem Grunde wissenschaftlicher Forschung fußend. Jetztist dieß Werk nur noch wenig gekannt, eine vergesseneZier der Bibliotheken, aber zu seiner Zeit war derBeifall, dessen cS sich crfreucte, so groß, daß es gleich,nachdem es in lateinischer und in deutscher Sprache1731 erschienen war, auch in die niederländische, diefranzösische und englische Sprache übersetzt wurde. Wennder IV^sicu saora oder LGlia ox pliMois iilustrutaauch mancher Mangel und Irrthum anhaftet, so wardoch die Anregung, durch die Naturforschung zumBibelstudium und durch die Bibel zur Natursorschunghinzulenken, von unberechenbarer Wichtigkeit und vongroßen sättigendem Einfluß, während die heutige Natur-forschung sich angelegen sein läßt, der Bibel zu spottenund die Menschenweisheit dünkclvoll der göttlichen ent-gegenzuhalten und sich wunderwichtig zu machen, weilwir jetzt manches besser wissen als Hiob, David undSalomo , die großen Naturkundigen ihrer Zeit.
Scheuchzcr vollcudete sein nützliches, der Wissenschaftganz geweihtes Leben im 61. Jahre; er hatte aucheinen Bruder, Johann, welcher sich ebenfalls wissen-schaftlichen Studien und zwar der Mathematik undKricgswissenschaft gewidmet hatte, des Bruders Nach-folger als Stadtphysikus wurde, eine Gräserkunde derSchweiz herausgab und den Bruder nur um -1 Jahreüberlebte.