Druckschrift 
Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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und anerkannt, der ihn nach der Rückkehr von Rom ,wo er mehreres für die Walhalla entwarf und aus-führte, im Jahre 1 835 zum Professor an der Akademieder Künste in München ernannte, und wo Schwan-thaler als Haupt und Meister einer Künstlerschuleglänzte, welche nächst ihm der deutschen Bildnerkunstzu ehrenvollen Stützen dient. Ein besonderer Grund-zug im Wesen und im schöpferischen Walten Schwan-thalers war der, daß er fern von aller Einseitigkeitnicht blos der antiken Kunst nachstrebte und ihr huldigte,sondern mit gleicher Liebe und geschichtlicher Treue auchdie mittelalterliche Kunst wieder hob, und von einemeigenthümlich dcutschromantischen Sinne beseelt war,der ihn Gebilde hervorrufen ließ, die groß, ideal, form-vollendet und doch voll einfacher Wahrheit und Treuevor den Blick des Beschauers treten. Es gelang ihmeben alles, was er begann, und jedes Werk trug denStempel der Hand eines allseits durchbildeten Genius.Zahllos ist die Menge der Kunstwerke, welche ausSchwanthalers Atelier hervorgegangen sind; wäre nichtschon jetzt Sorge getragen, ste zu verzeichnen, so würdedie spätere Nachwelt ebenso an der Aechthcit aller zwei-feln, wie wir nicht begreifen, wo Dürer die Zeit her-nahm zu der überreichen Mannigfaltigkeit seiner Schöpfun-gen. Schwanthalcr schmückte, wie schon gesagt, dieGlyptothek mit Reliefs und Figuren, er schmücktemit seinen Schülern und Jüngern die Pinakothek mitMaler-Statuen; er schuf dem Königsbau seine bedeu-tendsten Zierden, Götter und Heroengestalten, mytho-logische Kreise und Gruppen; er verkörperte die Zween-und Gestaltenwelt der klassischen Dichter von Hellas,des Orpheus, des Hesiod , Pindars und Homers, desSophokles und des Aristophanes ; den Saalbau zierteer mit einem 266 Fuß langen und Fuß hohenFries aus dem Leben Kaiser Friedrich Barbarossas,wie mit den 12 ehernen Standbildern der Wittelsbacher,jedes 10 Fuß hoch und massiv vergoldet. An der Wal-halla prangen Schwanthalers Reliefs, allegorischeVerherrlichungen von Deutschlands Ruhm und Größe,Nationalität und Sicgcshohcit. Das neue Ausstellungs-gebäude zu München erhielt von Schwanthaler seinen

Ausschmuck mit Allegorien auf das Wiederaufblühender bayrischen vaterländischen Künste. Schwanthalerschuf für die Ruhmeshallc bei München die colossaleBildsäule der Bavaria , gegossen von Stiglmayer undMiller, das größte gegossene Erzbild in Deutschland ,51 Fuß hoch, denn der Herkules auf Wilhelmshöhe ist nur aus getriebenem Kupfer geschmiedet.

Zahlreiche Statuen und Denkmale in Erz undMarmor reihen sich diesen Arbeiten an, Mozart fürSalzburg, der Großherzog Carl Friedrich von Baden für Carlsruhe , der Großherzog Ludwig zu Hessen fürDarmstadt, Goethe für Frankfurt a. M., Jean PaulFriedrich Richter für Bayreuth , Markgraf FriedrichAlexander von Brandenburg für Erlangen ; Tilly undWrcde für die Feldhcrrenhalle in München und nochviele andere, theils für Bayern , theils für das Aus-land; ebenso ein schöner, reich mit allegorischen Figurenverzierter Brunnen für Wien . Auch das Denkmal fürden Bau des Donau-Mainkanals wurde nach kleinernModellen Schwanthalers ausgeführt. Dazu kommtnoch eine Fülle kleiner, feiner, zart ausgeführterKabinetsstücke, ebenso Büsten, wie auch Zeichnungenund Modelle, nach denen andern Künstlern die Aus-führungen zu liefern überlassen blieb.

Aeußcrc Ehren strömten von nahe und fern aufden großen Künstler ein, Titel, Orden, Ehrenbürger-schäften aber er blieb der er war, eine ächt deutscheund höchstgemüthliche Künstlernatur, dessen Lebensglücknur in den spätern Jahren anhaltendes Siechthum ver-bitterte. Zu seiner Zerstreuung und Erholung gewanner einen alten Nuinenthurm im Jsarthale und bauteund schmückte diesen dcutschmittelalterlich aus, lebte undschwärmte sich in die deutsche Romantik sinnig undinnig hinein. Gleichen Sinnes in dieser Beziehungwar mit ihm ein treu verbundener Freund, der auchHeimgegangene Geschichtenmaler Wilhelm Lindenschmit aus Matnz, der lange in München lebte und nocheinige auserkorene Bundesgenossen.

Mit allen »»verweltlichen Ruhmeskränzen bedecktfand und führte den hohen deutschen Künstlergeniusder stille Genius hinab zu den Schatten.