Druckschrift 
Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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Johann August Unzer .

Geb. d, M. April 1727, gest. d. 2. April I7!M.

<Äls Arzt gelehrt und geschätzt, als Physiolog Bahnbrechend, erwarb sich Unzer dauernden Nachruhm undseine Schriften sicherten ihm bei der Nachwelt den Rufeines tief in die Geheimnisse der Natur eingedrungenenForschers. Er wurde zu Halle geboren, besuchte diedortige Hochschule, widmete sich der Arzneikunst, undtrat schon in seinem achtzehnten Jahre anonym alsSchriftsteller auf. Im 21. Jahre erwarb er die medi-cinische Doctorwürde, nachdem er bereits 1747 alsSubstitut seines LcbrerS, des Professor Junker, derzugleich die Stelle des Waisenhaus-Arztes bekleidete,in die medicinische Praxis eingeführt worden war.Nach seiner Promotion begann er als philosophischerund medicinischer Docent, wie als praktischer Arzt seinnützliches und mit den günstigsten Erfolgen gesegnetesWirken, ausgerüstet mit gediegenen Kenntnissen, großerGelehrsamkeit, und mit der Gabe, Erfahrungen anKrankenbetten wohl zu nützen und zu verwerthen.Neben den allgemeinen Krankheitserscheinungen warenes hauptsächlich Physiologie und Psychologie, auf welcheUnzer sein Augenmerk richtete, und er veröffentlichte

zahlreiche Wahrnehmungen und Früchte seiner ernstenBeobachtungen und Studien, welche im ärztlichenPublikum nicht nur, sondern auch bei dem der Laienin den medieinischen Wissenschaften großen Beifall fanden.Seine Schreibart war gefällig, und auch den Laienverständlich, und der Zweck, weshalb er sogar für dieseschrieb, war Gemeinnützlichkeit, Beseitigung des Aberglaubens und der Quacksalberei, und auf Vernunftbegründete Gesundheits- und Lcbcnsverlängerungskunst.Zu Ende des Jahres 1750 wandte sich Unzer vonHalle nach Hamburg , und von da bald nach Alton«,wo er sich verheirathete und in Ausübung goldenerPraxis glücklich lebte. Seine Frau war Johanne Char-lotte , eine geborene Ziegler, seine Landsmännin, imJahre 1724 auch in Halle geboren, und eine Dich-terin, der es gelang, Ruf zu erstreben und Anerkennungin weiteren Kreisen zu finden. Man schmückte sie zuHelmstädt 1753 mit dem poetischen Lorbeerkranze, undertheilte ihr die Mitgliedschaft gelehrter Societäten.Sie war, wie alle dichtenden Frauen, zunächst Lyrikerin,besang Gott , Religion, Freundschaft und Tugend, und